NRW-Psychotherapeut:innen protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Laila SchomberNRW-Psychotherapeut:innen protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Psychotherapeut:innen in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor
Am kommenden Donnerstag wollen Psychotherapeut:innen in ganz Nordrhein-Westfalen gegen geplante Kürzungen der Vergütungssätze demonstrieren. Ab dem 1. April 2026 sollen die gesetzlichen Krankenkassen die Erstattungen für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent senken. Kritiker warnen, dass dieser Schritt die ohnehin angespannte Versorgungssituation im Bereich der psychischen Gesundheit im Land weiter verschärfen könnte.
Aktuell müssen Patient:innen in NRW im Durchschnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten – eine Wartezeit, die sich noch verlängern könnte, wenn die Kürzungen mehr Therapeut:innen in die private Praxis treiben.
Die geplante Senkung der Vergütung um 4,5 Prozent hat unter Psychotherapeut:innen Empörung ausgelöst. Die Psychotherapeutenkammer NRW argumentiert, dass niedrigere Honorare es schwieriger machen werden, Praxen wirtschaftlich zu betreiben – insbesondere für diejenigen, die Patient:innen mit gesetzlicher Krankenversicherung behandeln. Proteste sind in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld geplant.
Deutschlandweit fehlen bereits rund 7.000 Kassensitze für Psychotherapie, wie aus Daten der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und des Sozialverbands VDK von 2023 hervorgeht. Besonders betroffen sind ländliche Regionen sowie die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Die Übernahme eines solchen Kassensitzes kann bis zu 50.000 Euro kosten – eine zusätzliche finanzielle Belastung für Berufsanfänger:innen.
Viele Therapeut:innen könnten nun vermehrt Privatpatient:innen bevorzugen, die höhere Sätze zahlen. Psychotherapeut:innen verdienen in Deutschland ohnehin weniger als jede andere Fachärztgruppe. Die Honorarkürzungen könnten diese Ungleichheit weiter vertiefen und gesetzlich Versicherten noch weniger Behandlungsmöglichkeiten lassen.
Die Senkung der Vergütungssätze birgt das Risiko, dass sich die Wartezeiten über den aktuellen Durchschnitt von fünf Monaten in NRW hinaus verlängern. Wenn weniger Therapeut:innen gesetzlich Versicherte behandeln, könnte der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung weiter schrumpfen. Die anstehenden Proteste unterstreichen die wachsende Sorge um die Zukunft der kassenfinanzierten Psychotherapie in der Region.






