Digitale Souveränität: Warum Deutschland nur auf dem Papier unabhängig ist
Kirsten HentschelDigitale Souveränität: Warum Deutschland nur auf dem Papier unabhängig ist
Eine neue Studie offenbart eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der digitalen Souveränität Deutschlands. Der „Digitale Souveränitätsindex“ (DSI), erstellt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, zeigt: Zwar halten 92 Prozent der Organisationen das Thema für wichtig, doch nur 21 Prozent verfügen über eine dedizierte Strategie. Die meisten sind nach wie vor stark von nicht-europäischen Anbietern bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, KI und Software abhängig.
Der durchschnittliche Reifegrad der digitalen Souveränität in der deutschen Wirtschaft liegt bei 65,8 Prozent – und damit deutlich unter dem von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen angestrebten Idealwert von 77,8 Prozent. Trotz dieser Lücke wären 80 Prozent der Betriebe bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr.
Kleinere Unternehmen (mit weniger als 2.500 Beschäftigten) schneiden dabei besser ab als große (mit über 2.500 Mitarbeitenden) und erreichen 68,9 Prozent im Vergleich zu 64,2 Prozent. Auch private Unternehmen liegen mit 67 Prozent vor der öffentlichen Verwaltung (64 Prozent). Dennoch weisen nur 25 Prozent der befragten Organisationen eine Verantwortung auf Vorstandsebene für digitale Souveränität aus, und lediglich 13 Prozent verankern das Thema in ihrer Unternehmensstrategie.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Unternehmen die strategische Bedeutung digitaler Souveränität noch immer nicht ausreichend erkennen. Über 60 Prozent von ihnen sind bei essenziellen Technologien weiterhin auf nicht-europäische Anbieter angewiesen.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine deutliche Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Umsetzung: Fast alle Befragten messen der digitalen Souveränität zwar einen hohen Stellenwert bei, doch nur wenige verfügen über konkrete Pläne oder Governance-Strukturen, um sie zu erreichen. Die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern bleibt hoch – obwohl die Unternehmen gleichzeitig Bereitschaft signalisieren, in heimische Alternativen zu investieren.






