27 January 2026, 22:38

Vodafone wirft Kartellamt Befangenheit vor – Streit um 1&1-Netzausbau eskaliert

Eine Patentzeichnung eines Telefon-Schalters mit einem Pfahl und daran befestigten Drähten, beschriftet mit 'Patent 215,837 - Telefon-Schalter'.

Vodafone wirft Kartellamt Befangenheit vor – Streit um 1&1-Netzausbau eskaliert

Vodafone wirft dem deutschen Bundeskartellamt Befangenheit in einem laufenden Kartellrechtsstreit vor. Das Unternehmen behauptet, die Behörde verfolge eine politische Agenda zugunsten des Konkurrenten 1&1. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Vorwürfe, Vodafone habe durch seine Kontrolle über Vantage Towers den Netzausbau von 1&1 blockiert.

1&1 startete im Dezember 2023 sein 5G-Mobilfunknetz und wurde damit zum vierten Anbieter auf dem deutschen Markt. Seither prüft das Kartellamt, ob Vodafone durch sein Handeln den fairen Wettbewerb behindert hat.

Der Streit eskalierte, als das Bundeskartellamt in einer vorläufigen Einschätzung feststellte, Vodafone habe gegen Kartellrecht verstoßen. Die Behörde warf dem Konzern vor, seinen Einfluss auf Vantage Towers genutzt zu haben, um 1&1 den Zugang zu wichtiger Infrastruktur zu erschweren. Ein endgültiges Urteil könnte Vantage Towers zwingen, 1&1 mehr Standorte anzubieten – was den Druck auf Vodafone erhöhen würde.

Vodafone weist die Vorwürfe entschlossen zurück. Die Anwälte des Unternehmens argumentieren, das Kartellamt habe seine Befugnisse überschritten und grundlegende rechtliche Standards missachtet. Zudem wirft Vodafone 1&1 vor, das Verfahren manipuliert zu haben, und bezeichnet die Vorgehensweise der Behörde als unfair. 1&1 wiederum lehnt die Anschuldigungen ab und besteht darauf, dass Vantage Towers vertragliche Verpflichtungen nicht erfüllt habe, was zu Verzögerungen beim Netzausbau geführt habe. Das Kartellamt betont unterdessen, es habe stets neutral gehandelt und sich an die üblichen Verfahren gehalten.

Beide Seiten stehen in regelmäßigem Austausch mit der Behörde. Vodafone hat sogar vorsorglich eine einstweilige Verfügung beantragt, um die Entscheidung des Kartellamts zu blockieren – und damit die juristische Auseinandersetzung weiter verschärft. Das Ergebnis des Streits könnte den deutschen Mobilfunkmarkt neu ordnen, auf dem sich 1&1 unter Führung von Vorstandschef Ralph Dommermuth erst kürzlich als vierter großer Player etabliert hat.

Die Entscheidung hängt nun vom endgültigen Urteil des Bundeskartellamts ab. Sollte es gegen Vodafone ausfallen, könnte das Unternehmen strengere Auflagen für die Infrastrukturteilung mit 1&1 erhalten. Der Fall zeigt zudem die wachsenden Spannungen zwischen Regulierungsbehörden und Telekommunikationsriesen, während der Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt an Schärfe gewinnt.