Rheinwasser soll Braunkohle-Tagebaue in NRW zu Seen verwandeln – doch Risiken bleiben
Kirsten HentschelRheinwasser soll Braunkohle-Tagebaue in NRW zu Seen verwandeln – doch Risiken bleiben
Großprojekt zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser nimmt Gestalt an
Ab 2030 soll das Tagebauloch Hambach geflutet werden, es folgen Garzweiler 2036 und Inden 2040. Ziel des Vorhabens ist es, aus den ehemaligen Abbaugebieten Seen für Tourismus, Naturschutz und Arbeitsplätze zu schaffen – doch Sorgen um Wasserverbrauch und Sicherheit bleiben bestehen.
Die Umwandlung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden in Seen wird voraussichtlich etwa 40 Jahre dauern. Auch danach wird ein kontinuierlicher Zufluss von Rheinwasser nötig sein, um die Pegel zu halten. Eine 45 Kilometer lange Pipeline, bestehend aus 10.000 Rohren mit bis zu 2,2 Metern Durchmesser, soll das Wasser vom Fluss in die Gruben leiten.
Der Energiekonzern RWE hat bereits die Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipelinebau erhalten. Allerdings steht noch die Erlaubnis aus, Rheinwasser in den Tagebau Hambach einzuleiten. Das formelle Verfahren für diese wasserrechtliche Bewilligung soll im Herbst 2026 beginnen und wird von der Bezirksregierung Arnsberg bearbeitet. Die technische Baugenehmigung wurde bereits im Januar 2026 erteilt.
Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" warnen vor möglichen Risiken für die Wasserqualität. Sie befürchten, dass der Rhein Schadstoffe und "Ewigkeitschemikalien" in die Gruben spülen könnte, was zu einer Kontamination führen könnte. Kritiker hinterfragen zudem, ob die steilen Böschungen und unberechenbaren Wasserverhältnisse die künftigen Seen sicher für die öffentliche Nutzung machen.
Der Projektgegner Andreas Büttgen argumentiert, RWE könnte sich später aus der Renaturierung zurückziehen und die Steuerzahler mit langfristigen Kosten belasten. Er fordert strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers, bevor es in die Tagebaue geleitet wird.
Zusätzlichen Druck auf die regionale Wasserversorgung übt das neue Hyperscale-Rechenzentrum von Microsoft aus, das große Mengen für die Kühlung verbrauchen wird. Dies könnte die bestehende Wasserknappheit in der Region verschärfen, während gleichzeitig die Seen geflutet werden.
Die erste Flutung soll 2030 beginnen, Garzweiler und Inden folgen später. Gelingt das Projekt, entstehen neue Lebensräume und wirtschaftliche Chancen. Doch der Erfolg hängt davon ab, ob die Bedenken zur Wasserqualität ausgeräumt, die langfristige Finanzierung gesichert und die konkurrierenden Ansprüche an die regionalen Wasserressourcen bewältigt werden können.






