Öl-Auktion im Amazonas: 47 Blöcke trotz Proteste und ohne Umweltprüfung vergeben
Mark BolnbachÖl-Auktion im Amazonas: 47 Blöcke trotz Proteste und ohne Umweltprüfung vergeben
Brasiliens Nationale Agentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe veranstaltete am 17. Juni 2025 eine Versteigerung fossiler Brennstoffe. Dabei wurden 172 Öl- und Gasblöcke angeboten, von denen sich 68 im brasilianischen Amazonasgebiet befinden. Umwelt- und Indigenenorganisationen lehnten den Verkauf von Anfang an vehement ab.
Bei der Auktion gingen 47 Blöcke an der Amazonasmündung in die Vergabe, wovon 19 erfolgreich vergeben wurden. Diese umfassen 16.312 Quadratkilometer Meeresgebiet. Internationale Konzerne wie Chevron, CNPC, ExxonMobil und Petrobras sicherten sich die Rechte an diesen Blöcken.
Vor der Versteigerung wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung der Sedimentgebiete durchgeführt. Die Bundesstaatsanwaltschaft hatte einen Eilantrag auf Stopping des Verfahrens eingereicht und auf Verfahrensmängel sowie unzureichende Folgenabschätzungen hingewiesen. Zudem erfolgte der Verkauf ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen und traditionellen Gemeinschaften – ein Verstoß gegen das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Häuptling Jonas Mura vom Volk der Mura verurteilte die Auktion und warnte vor Zerstörung, Verschmutzung, Armut und Krankheiten für das Amazonasgebiet. Gisela Hurtado von Stand.earth argumentierte, der Verkauf bedrohe indigene Territorien und stehe im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen. Kritiker warfen Brasilien zudem vor, seine Glaubwürdigkeit als Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP30 zu untergraben und widersprüchliche Signale in der Klimapolitik zu senden.
Umweltschützer wiesen darauf hin, dass Brasilien eine Chance verpasse, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Das Land verfüge über großes Potenzial in den Bereichen Wind-, Solar- und Wasserkraft.
Trotz rechtlicher Klagen und breiter Kritik wurde die Versteigerung durchgeführt. Große Ölkonzerne halten nun die Rechte an ausgedehnten Gebieten im Amazonasraum. Der Schritt wirft Fragen nach Umweltzerstörung auf und steht im Konflikt mit den erklärten Klimazielen Brasiliens.
