Neues Konzept soll Netzausbau für erneuerbare Energien günstiger und effizienter machen
Kirsten HentschelNeues Konzept soll Netzausbau für erneuerbare Energien günstiger und effizienter machen
Deutschlands Ausbau der erneuerbaren Energien stellt Netzbetreiber vor wachsende Herausforderungen. Das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) der Universität zu Köln schlägt nun ein neues Konzept vor, um die Belastung zu verringern und die Kosten zu senken. Im Mittelpunkt steht dabei die gemeinsame Nutzung von Netzanschlusspunkten für Solar-, Wind- und Batteriespeicherprojekte.
Aktuell sehen sich Netzbetreiber mit einer Flut von Anträgen für neue Stromleitungen konfrontiert, die erneuerbare Energien ans Netz anbinden sollen. Bisher wird jede Anlage nach ihrer Spitzenleistung angeschlossen – doch diese Methode führt oft zu einer ineffizienten Auslastung der Netzkapazitäten. Das EWI empfiehlt, die Anschlüsse zu optimieren, indem mehrere Anlagen an gemeinsamen Zugangspunkten gebündelt werden.
Laut Berechnungen ließen sich so jährlich 1,8 Milliarden Euro an Netzausbaukosten einsparen. Gleichzeitig würde die durchschnittliche Netzauslastung steigen, und es müsste weniger Ökostrom abgeregelt werden. Allerdings könnte auch bei diesem Ansatz gelegentlich eine Drosselung der Einspeisung nötig sein, um Angebot und Nachfrage auszugleichen.
Die jüngst verabschiedete „Solarspitzen-Kappungsverordnung“ in Deutschland unterstützt das Modell der gemeinsamen Netznutzung. Das EWI schätzt, dass sich durch geringere Verteilnetzkosten und eine bessere Nutzung des bisher abgeregeltem Stroms ein Nettoeffizienzgewinn von 800 Millionen Euro pro Jahr erzielen ließe. Ohne solche Maßnahmen könnten die notwendigen Investitionen in den Ausbau der Verteilnetze bis 2045 im Schnitt rund 350 Milliarden Euro betragen.
Gemeinsam genutzte Netzanschlusspunkte könnten die Kosten deutlich senken und die Effizienz steigern. Die vorgeschlagene Lösung passt zu aktuellen gesetzlichen Vorgaben und bietet eine praktikable Antwort auf den wachsenden Druck auf die Stromnetze. Durch Einsparungen und eine bessere Auslastung der bestehenden Infrastruktur ließe sich die finanzielle Belastung für den Energiesektor verringern.
