Humboldt Forum: Fünf Jahre Debatten – aber zu weit weg vom Berliner Leben
Linus JesselHumboldt Forum: Fünf Jahre Debatten – aber zu weit weg vom Berliner Leben
Fünf Jahre Humboldt Forum: Ein Ort der Debatte, aber fern vom Stadtleben
Das Humboldt Forum hat sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. Heute beherbergt es das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Doch viele Kritiker halten das Projekt nach wie vor für einen Fehlschlag – zu sehr mit dem Kolonialismus verstrickt und zu weit entfernt vom Puls der Stadt.
Seit seiner Eröffnung hat sich das Forum zu einem Zentrum öffentlicher Debatten entwickelt. Lesungen, Konzerte, Performances und Diskussionen finden hier statt, oft zu brisanten Themen. Im Fokus stehen dabei regelmäßig geraubte Kunst, Restitution und koloniale Gewalt. Auch demokratischer Abbau, globale Ungleichheit und Bedrohungen der künstlerischen Freiheit werden thematisiert.
Die Künstlerin Sarah Ama Duah präsentierte hier einst ihr Werk to build to bury to remember. Ihre Performance behandelte Objekte als lebendige Wesen und stellte so die koloniale Perspektive infrage. Trotz solcher anregenden Inhalte bleibt das Publikum überwiegend touristisch geprägt. Die abgelegene Lage des Gebäudes und das Fehlen von Infrastruktur in der Umgebung verschärfen das Problem.
Offizielle Zahlen verweisen auf hohe Besucherzahlen, doch diese sind mit Vorsicht zu genießen. 2021 besuchten nur etwa 634.000 Menschen tatsächlich die Ausstellungen – ein Bruchteil im Vergleich zum Louvre, der rund dreizehnmal so viele Gäste anzieht.
Das Humboldt Forum bleibt ein Ort, der Gespräche über Geschichte und Kultur anregt. Seine Rolle in der öffentlichen Debatte ist unbestritten, auch wenn die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Zukunft der Institution hängt davon ab, ob es gelingt, das anspruchsvolle Programm mit einer stärkeren lokalen Verankerung zu verbinden.
