16 March 2026, 00:50

Düsseldorf wagt digitales Experiment mit geheimen Online-Abstimmungen im Stadtrat

Zwei Frauen stehen nebeneinander an einem Abstimmungstisch mit Papieren und einer Box, während Menschen im Hintergrund unter einem Licht und einem Ventilator sitzen.

Düsseldorf wagt digitales Experiment mit geheimen Online-Abstimmungen im Stadtrat

Der Düsseldorfer Stadtrat führt digitale Abstimmungen ein – einschließlich geheimer Wahlen. Die Entscheidung folgt auf jahrelange Debatten über elektronische Wahlsysteme in Deutschland, wo Wahlcomputer 2009 verboten wurden. Kritiker zweifeln nun an, ob das neue System Fairness und Sicherheit garantieren kann.

Zwischen 1999 und 2009 nutzte Deutschland Wahlmaschinen, bis das Bundesverfassungsgericht sie wegen mangelnder öffentlicher Überprüfbarkeit untersagte. Seither haben andere Länder Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht: Estland bietet seit 2005 landesweites E-Voting an, und die Schweiz testet seit 2019 elektronische Abstimmungen in kantonalen Volksabstimmungen.

Der Düsseldorfer Rat setzt auf OpenSlides, eine digitale Abstimmungsplattform, die bereits von Parteien und Gewerkschaften genutzt wird. Die Software verwaltet Rednerlisten und Abstimmungen auf Bundesparteitagen und kleineren Veranstaltungen. Die Linksfraktion lehnt die Umstellung jedoch ab und besteht auf traditionelle Stift-und-Zettel-Wahlen.

Chris Demmer, Fraktionsvorsitzender der Linken in Düsseldorf, warnt vor Manipulationsrisiken bei digitalen geheimen Wahlen. Emanuel Schütze, Gründer von OpenSlides, räumt die Herausforderung ein: Eine nachvollziehbare Prüfung digitaler Stimmen könnte die Anonymität der Wähler gefährden. Da das System auf Geheimhaltung setzt, blieben Fälschungen bei einer Neuauszählung möglicherweise unentdeckt.

Ein Rechtsgutachten bestätigt, dass der Schritt mit geltendem Recht vereinbar ist. Während Deutschland über Online-Wahlen für Betriebsratswahlen diskutiert, gibt es bis 2026 jedoch kein flächendeckendes System für öffentliche Wahlen.

Die Umstellung auf OpenSlides bedeutet einen tiefgreifenden Wandel für die Ratssitzungen in Düsseldorf. Geheime Abstimmungen finden künftig online statt – doch das wirft Fragen nach Transparenz und Vertrauen auf. Die Entscheidung spiegelt die grundsätzliche Spannung wider zwischen der Modernisierung von Wahlverfahren und der Gewährleistung ihrer Zuverlässigkeit.

AKTUALISIERUNG

Düsseldorfs digitales Abstimmungssystem startet erfolgreich

Der Düsseldorfer Stadtrat hat erfolgreich sein digitales Abstimmungssystem OpenSlides eingeführt, was einen bedeutenden Schritt in der kommunalen Verwaltung darstellt.

  • Das System wurde erstmals am 11. Februar 2026 eingesetzt und ermöglichte es Ratsmitgliedern, während der Sitzungen über Tablets abzustimmen.
  • "Die Einführung eines digitalen Abstimmungssystems ist ein wichtiger Meilenstein bei der Modernisierung der Ratsarbeit", sagte Bürgermeister Dr. Stephan Keller.
  • Ein erfolgreicher Testlauf im Dezember 2025 ebnete den Weg für die offizielle Einführung, bei der keine größeren Probleme gemeldet wurden.