20 December 2025, 01:45

Die Wahrheit

Ein geschmückter Weihnachtsbaum mit Statuen von Menschen, die auf einem Tisch darunter platziert sind.

Die Wahrheit

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Allgegenwärtig in Bayern: Vor Weihnachten wird in Bayern das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer beliebten Antisemiten Ludwig Thoma überall rezitiert.

  1. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Unterhaltung, Popkultur

In Bayern entzündet sich eine zunehmend hitzige Debatte über das Erbe des Schriftstellers Ludwig Thoma. Seine antisemitischen und rassistischen Schriften haben Forderungen laut werden lassen, Straßen, Schulen und öffentliche Plätze umzubenennen, die seinen Namen tragen. Doch trotz dieser Initiativen bremst der Widerstand lokaler Verantwortlicher und tief verwurzelter kultureller Traditionen die Fortschritte aus.

Ein besonderer Streitpunkt ist Thomas Gedicht „Heilige Nacht“, das alljährlich in bayerischen Städten aufgeführt wird. Das Werk, das wegen seines respektlosen und antisemitischen Tons scharf kritisiert wird, bleibt fester Bestandteil der Weihnachtsfeiern – und erschwert damit die Bemühungen um einen Wandel.

Zivilgesellschaftliche Gruppen, Historiker:innen und Antirassismus-Aktivist:innen setzen sich seit Langem dafür ein, Thomas Namen aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Petitionen, Ratsdebatten und wissenschaftliche Vorschläge wurden in zahlreichen bayerischen und deutschen Städten eingebracht. Regionale Medien und aktivistische Plattformen dokumentieren diese Bestrebungen und begleiten die Diskussionen in Kommunalparlamenten und öffentlichen Kampagnen.

Thomas antisemitische Artikel für den „Miesbacher Anzeiger“ sind gut belegt und untermauern die Forderungen nach Konsequenzen. Dennoch gestaltet sich die Umbenennung von Straßen und Schulen schwierig – auch wegen des Widerstands von Amtsträger:innen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnte es öffentlich ab, eine nach Thoma benannte Straße umzubenennen. Die Kontroverse beschränkt sich jedoch nicht auf Straßenschilder. Enrico de Parutas jährliche Aufführungen von „Heilige Nacht“, in denen Thomas Gedicht im Mittelpunkt steht, ziehen in München, Ingolstadt und Regensburg großes Publikum an. Das Stück, das die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem verhöhnt, wird in der Weihnachtszeit flächendeckend vorgetragen. Kritiker:innen argumentieren, dass seine anhaltende Popularität Thomas anstößige Ansichten normalisiere – und die Umbenennungsdebatte damit noch dringlicher mache.

Die Kampagne zur Neubewertung von Thomas Vermächtnis steht vor anhaltenden Herausforderungen. Während Aktivist:innen und Historiker:innen auf Veränderung drängen, halten kulturelle Traditionen und politischer Widerstand viele Straßen und Einrichtungen weiterhin unter seinem Namen. Ob diese Bemühungen Erfolg haben, hängt von lokalen Entscheidungen ab – und davon, ob sich die öffentliche Meinung zugunsten eines Rückzugs seines Einflusses aus dem öffentlichen Leben wendet.