Bachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik und literarische Vielfalt in Klagenfurt
Kirsten HentschelBachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik und literarische Vielfalt in Klagenfurt
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt präsentierten mutige Erzählungen und scharfe Gesellschaftskritik. Autorinnen und Autoren setzten sich mit Themen wie Prekariat, Identität und gesellschaftlichem Druck auseinander – die Preise gingen an herausragende Werke in verschiedenen Kategorien.
Slata Roschal eröffnete die Veranstaltung mit einer Geschichte, die nicht wirtschaftliche Not, sondern die Literaturszene selbst in den Mittelpunkt stellte. Nach ihrer Lesung weigerte sie sich, der Jury gegenüberzutreten, und kritisierte öffentlich die Institutionen und ihren Umgang mit Schriftsteller:innen.
In diesem Jahr bestand die Jury ausschließlich aus Frauen. Schaette erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Bachmann-Preis sowie den Publikumspreis für Was wir tragen, einen Text über die lebenslange Gewalt, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind.
Kinga Tóth gewann den KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und polyphonen Stil. Ihr Werk schilderte die Kämpfe und alltäglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn ausgezeichnet – eine sinnliche, doch zurückhaltende Geschichte eines schwulen Vaters, zerrissen zwischen Sohn und Liebhaber.
Wirtschaftliche Themen prägten viele Diskussionen. Einige Texte wurden als „wunderbar proletarisch“ gelobt oder für ihre „Faszination für die Unterschicht“ gewürdigt. Wiederkehrende Motive wie Flecken verwiesen subtil auf prekäre Lebensumstände. Burkhard Spinnens früherer Aufruf zu „frontaler Opposition gegen alles“ in der Kunst – inklusive gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Zwänge – hallte durch die Veranstaltung nach.
Eine Lesung von Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan setzte einen surrealen Akzent. An einem glühend heißen Sommertag stellte sich das Werk Gottvater im Angeklagtenstuhl vor.
Das Festival feierte vielfältige Stimmen und schonungslose Gesellschaftsanalyse. Ausgezeichnet wurden Werke, die Identität, Klasse und persönliche Konflikte erkunden, während die Debatte über die Rolle der Kunst im Umgang mit gesellschaftlichem Druck weiterging.
