40 Millionen Euro im Streit: Cum-Ex-Skandal holt Ex-Warburg-Chef Olearius ein
Kirsten HentschelCum-Ex: Überprüfung beschlagnahmter mutmaßlicher Straftaten des Bankers Olearius - 40 Millionen Euro im Streit: Cum-Ex-Skandal holt Ex-Warburg-Chef Olearius ein
Ein neuer Rechtsstreit um 40 Millionen Euro, die mit Christian Olearius, dem ehemaligen geschäftsführenden Gesellschafter der M.M. Warburg Bank, in Verbindung stehen, nimmt Fahrt auf. Die Staatsanwaltschaft dringt auf die Einziehung der Summe, da sie aus seiner Verstrickung in den Cum-Ex-Steuerskandal stammt – einen der größten Finanzbetrugsfälle Deutschlands. Zwar wurden die strafrechtlichen Vorwürfe gegen ihn aus gesundheitlichen Gründen fallengelassen, doch die Frage seiner finanziellen Haftung bleibt ungeklärt.
Von 2001 bis 2011 bekleidete Olearius eine zentrale Position bei M.M. Warburg, wo er Dividendenstripping-Geschäfte genehmigte und überwachte, die illegale Steuererstattungen in Höhe von über 200 Millionen Euro generierten. Bei diesen komplexen Transaktionen wurde der Aktienbesitz künstlich manipuliert, um Schlupflöcher im deutschen Steuerrecht auszunutzen. 2021 einigte sich die Bank mit den Behörden auf eine Zahlung von 180 Millionen Euro, doch Olearius' persönliche Rolle geriet weiter in den Fokus der Ermittler.
Ein Hamburger Gericht verurteilte ihn 2023 wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe und einem Bußgeld von einer Million Euro. Separate Strafverfahren wegen schweren Steuerbetrugs wurden jedoch endgültig eingestellt, nachdem medizinische Gutachten seine Verhandlungsunfähigkeit bestätigten. Dennoch bleibt er im Visier der Staatsanwaltschaft, die weiterhin auf die Abschöpfung seiner mutmaßlichen Gewinne drängt.
Das Landgericht Bonn hatte zunächst die Einziehung der 40 Millionen Euro angeordnet, doch der Bundesgerichtshof hob diese Entscheidung später auf. Nun soll eine neue Verhandlung klären, ob die Summe doch noch beschlagnahmt werden kann. Olearius selbst muss jedoch nicht an den Verhandlungen teilnehmen.
Der Cum-Ex-Skandal zählt nach wie vor zu den folgenschwersten Finanzbetrugsfällen Deutschlands und hat die Steuerzahler Milliarden gekostet. Die Ermittlungen belasten mehrere Banken und prominente Persönlichkeiten, wobei der Fall Olearius ein zentrales Kapitel in den anhaltenden Nachwehen darstellt.
Die anstehende Verhandlung in Bonn wird entscheiden, ob die 40 Millionen Euro trotz seiner gesundheitsbedingten Straffreiheit von Olearius eingezogen werden können. Das Urteil wird zeigen, wie weit seine finanzielle Verantwortung in einem Skandal reicht, der die deutsche Steuerfahndung nachhaltig verändert hat. Von anderen Beteiligten wurden bereits beträchtliche Summen zurückgeholt – dieser Fall könnte weitere Präzedenzfälle schaffen.






