"Wir Krisendarsteller": Wie andcompany&Co. Verschwörungstheorien auf die Bühne zerlegt
Kirsten Hentschel"Wir Krisendarsteller": Wie andcompany&Co. Verschwörungstheorien auf die Bühne zerlegt
Eine aktuelle Aufführung des Künstlerkollektivs andcompany&Co. hat das Publikum gleichermaßen unterhalten und tief berührt. Unter dem Titel "Wir Krisendarsteller: Doppelgänger im Zorn!" setzt sich die Show mit rechtsextremen Verschwörungstheorien über sogenannte "Krisendarsteller" auseinander – Menschen, die angeblich engagiert werden, um Katastrophen und Gewalt vorzutäuschen. Die Produktion verbindet scharfen Humor mit ernsten Themen und löst beim Publikum eine intensive emotionale Reaktion aus.
Die Vorstellung beginnt mit spielerischem Chaos und zieht das Publikum zunächst durch Witz in ihren Bann. Nach und nach verändert sich der Ton, und reale Krisen rücken in den Fokus: atomare Bedrohungen, der Klimakollaps und systemische Versagensfälle. Das Kollektiv wirft die Frage auf, ob das Proben undurchdenkbarer Katastrophen der Gesellschaft helfen könnte, sich auf sie vorzubereiten.
Alexander Karschnia, Mitglied von andcompany&Co., hält einen Monolog, in dem er den Mythos der "Krisendarsteller" entlarvt. Er stellt sogar infrage, ob die Mondlandung inszeniert war – eine spiegelbildliche Absurdität des Verschwörungsdenkens. Der Höhepunkt der Show gipfelt in einer beklemmenden Interpretation von Freddie Mercurys "The Show Must Go On", die die Themen Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen angesichts des Chaos unterstreicht.
Die Reaktion des Publikums ließ nicht auf sich warten. Als das Licht verblasste, erhob sich das Publikum zu stehenden Ovationen.
Die Aufführung hinterlässt einen bleibenden Eindruck, indem sie Satire mit ernüchternder Realität vermischt. Sie fordert die Zuschauer auf, darüber nachzudenken, wie die Gesellschaft Trauma und Fehlinformationen verarbeitet. Der Ansatz des Kollektivs – Verschwörungstheorien mit den Mitteln des Theaters zu sezieren – erweist sich als gleichermaßen provokant wie berührend.