Wie Katzen Kunst, Macht und Alltag in Hamburg neu erzählen
Eine neue Ausstellung in Hamburg rückt die lange und vielschichtige Beziehung der Menschheit zu Katzen in den Fokus."Katzen!" im Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK) untersucht, wie diese Tiere über die Jahrhunderte Kunst, Politik und den Alltag geprägt haben. Die Schau eröffnet zu einer Zeit, in der Katzenbilder die sozialen Medien fluten – und damit neue Fragen nach ihrer kulturellen Bedeutung aufwerfen.
Die Ausstellung gliedert sich in fünf zentrale Themen: niedlich, verehrt, nützlich, mächtig und (un)abhängig. Zu sehen sind historische Artefakte, zeitgenössische Darstellungen und sogar von der Öffentlichkeit eingereichte Katzenfotos. Besonders stark vertreten sind japanische Motive, die die tief verwurzelte kulturelle Verbindung des Landes zu den Samtpfoten widerspiegeln.
Doch jenseits verspielter Internet-Trends tragen Katzen seit jeher eine ernste symbolische Bedeutung. Im China der Qing-Dynastie standen sie für Autorität, während sie im 21. Jahrhundert von lateinamerikanischen Protestbewegungen als Symbole des Widerstands adaptiert wurden. Die Schau hinterfragt zudem Klischees – etwa das Vorurteil der "kindlosen Katzenfrau" – und beleuchtet, wie Geschlechterrollen und die Beziehung zu Katzen miteinander verwoben sind. Der begleitende Katalog stellt das Zusammenleben mit Katzen sogar als ethische Herausforderung dar: Anders als Nutztiere erfüllen sie keinen klaren Zweck und zwingen den Menschen so, seine Werte zu überdenken. Passend dazu fragte kürzlich ein Podcast der Zukunftsstiftung: "Wie prägen Haustiere unsere Gesellschaft?" – eine Frage, die auch im Kern der Ausstellung steht. MARKK-Direktorin Barbara Plankensteiner betont, der Zeitpunkt sei ideal. Angesichts der allgegenwärtigen Katzeninhalte im Netz biete die Schau Kontext, ohne große Thesen aufzustellen. Sie wecke Neugier, statt eine einzige Deutung vorzugeben.
Die Ausstellung läuft in Hamburg und verbindet Geschichte, Aktivismus und Popkultur zu einer vielschichtigen Erkundung. Indem sie Katzen als mehr zeigt denn als bloße Haustiere oder Memes, regt sie dazu an, über die tieferen Bindungen zwischen Mensch und Tier nachzudenken. Mit ihrem zurückhaltenden Ansatz lässt die Schau Raum für individuelle Interpretationen – keine dramatischen Schlussfolgerungen, sondern Beobachtungen, die zum Nachdenken anregen.