Wenn Beleidigungen in Deutschland plötzlich teuer werden – und warum Pflaume gefährlich ist
Laila SchomberWenn Beleidigungen in Deutschland plötzlich teuer werden – und warum Pflaume gefährlich ist
Beleidigungen in Deutschland entwickeln sich weiter – und manche können mittlerweile teuer werden. Ein Anwalt und Sprachwissenschaftler hat analysiert, welche Schimpfwörter noch Gewicht haben, während andere zu harmlosen Scherzen verblasst sind. Roger "Flaming" Reisertsch, ein Experte für verbale Angriffe, schlägt sogar vor, stattdessen Namen von Politikern als kreative Alternativen zu nutzen, um juristische Konsequenzen zu vermeiden.
Viele traditionelle Beleidigungen haben ihre Schärfe verloren. Was einst als hart galt, wirkt heute oft lächerlich oder veraltet. Doch wer jemanden als SPD-Anhänger bezeichnet, muss mit einem Bußgeld von bis zu 2.500 Euro rechnen.
Tiernamen bleiben riskant. Wer sie als Schimpfwörter verwendet, riskiert Ehrverletzungsklagen – und mitunter sogar Klagen von PETA. Gemüse- und Obstsorten sind dagegen meist unbedenklich, mit einer Ausnahme: Pflaume kann rechtliche Folgen haben.
Der Ausdruck Nazischlampe hat in Gerichten für Verwirrung gesorgt. Richter streiten darüber, ob die Beleidigung im Wort Nazi, Schlampe, der Abkürzung NS oder der Wortstellung liegt. Als eine hochrangige AfD-Politikerin so bezeichnet wurde, kostete es den Täter 1.200 Euro.
Reisertsch, Betreiber der Website gibmirkeinetiernamen.de, hat bisher 1.247 politikerbasierte Schimpfwörter generiert. Sein Buch und die Seite bieten über tausend neue Varianten – eine Mischung aus Humor und juristischer Vorsicht. Zwar ist die Verwendung von Politikernamen als Schimpfwörter noch nicht verboten, doch rät er zur Zurückhaltung.
Die rechtliche Landschaft rund um Beleidigungen ist im Wandel. Manche Wörter verlieren ihre Brisanz, andere bergen unerwartete finanzielle Risiken. Reisertschs Arbeit liefert Alternativen, doch der sicherste Weg bleibt wohl, beleidigende Sprache ganz zu vermeiden.






