01 February 2026, 18:18

Warum der Saubloder beim schwäbischen Fasching lautstark Tradition bewahrt

Ein schwarz-weißes Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert von Albrecht Dürer, das einen Mann zeigt, der Schweine in einem Dorf füttert, mit Häusern, Bäumen und einem Wagen im Hintergrund.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Warum der Saubloder beim schwäbischen Fasching lautstark Tradition bewahrt

Faschingsbräuche in Rottenburg und anderen schwäbisch-alemannischen Regionen halten an einer lauten Tradition fest: den Saublodern. Diese aufgeblasenen Schweine- oder Rinderblasen, die an Schnüren oder Stöcken befestigt werden, erzeugen beim Aufschlagen ein lautes Knallen. Doch da die Nachfrage steigt, greifen manche Zünfte inzwischen auf Rinderblasen zurück – wegen ihrer Größe und Robustheit.

Seit Jahrzehnten gelten Schweine- oder Rinderblasen als das Material der Wahl für die Herstellung von Saublodern. Metzger wie Jürgen Ott, der die Rottenburger Narrenzunft seit 18 Jahren beliefert, bereitet pro Saison zwischen 80 und 100 Blasen vor. Der Prozess umfasst das Entleeren, Reinigen und Aufblasen – entweder mit dem Mund oder mit Druckluft. Nur die widerstandsfähigsten, rissfreien Blasen werden ausgewählt.

Der Saubloder dient dabei sowohl als Lärminstrument als auch als spielerisches Symbol. In der Faschingstradition steht er für Eitelkeit und Übermut und wird oft genutzt, um Zuschauer zu necken. Wenn man ihn schwingen lässt und aufschlägt, entsteht ein scharfes Knallen, das die Umstehenden erschreckt. Manche Varianten sind sogar an Holzstöcke oder getrocknete Stierpenisse gebunden – für einen zusätzlichen Effekt.

Obwohl Schweine- oder Rinderblasen nach wie vor beliebt sind, gewinnen Rinderblasen an Bedeutung. Ihre größere Form und Haltbarkeit machen sie zu einer praktischen Alternative. Gleichzeitig haben sich in der Massenproduktion längst synthetische Materialien wie Kollagen oder Kunststoffhüllen durchgesetzt. In nördlichen Regionen wie Stuttgart setzt man vermehrt auf diese modernen Varianten, während im Schwarzwald – etwa in Schopfloch – aus Tradition noch auf klassische Schweineblasen Wert gelegt wird.

Der Wechsel zu Rinderblasen spiegelt die sich wandelnden Anforderungen an die Faschingsbräuche wider. Natürliche Saubloder findet man heute vor allem in handwerklicher Fertigung – und so bleibt die Tradition lebendig. Ob aus Schwein, Rind oder Kunststoff: Das laute Knallen des Saubloders bleibt ein Markenzeichen des schwäbisch-alemannischen Faschings.