23 December 2025, 08:26

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Das Innere einer Kirche mit sitzenden Männern und Frauen, Kerzen vor ihnen und weißen Wänden und Dach.

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Von Durchstreichungen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten

50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel kamenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt wurde in der Evangelischen Kirche erst spät durchgesetzt.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat in den vergangenen Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel in Sachen Gleichberechtigung erlebt. Heute stellen Frauen die Hälfte der Pfarrer:innen im Solinger Kirchenkreis – ein deutlicher Kontrast zu früheren Zeiten, als weibliche Geistliche noch ausgegrenzt wurden. Der Weg von den Anfängen bis zur heutigen paritätischen Führung spiegelt sowohl rechtliche Veränderungen als auch einen Bewusstseinswandel wider.

Erst 1975 wurde die rechtliche Gleichstellung von Frauen im Pfarramt verankert. Pionierinnen wie Gisela Vogel ebneten zuvor den Weg: Sie wurde nicht nur die erste Pfarrerin im Rheinland, sondern später auch die erste Oberkirchenrätin. Selbst ihre Ernennungsurkunde musste damals noch per Hand korrigiert werden – die Anrede „Lieber Bruder“ wurde zu „Liebe Frau“.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen Frauen vorübergehend Pfarrämter, da viele Männer an der Front kämpften. Doch nach Kriegsende wurden sie wieder in unterstützende Rollen gedrängt. Diese Ausgrenzung hielt jahrelang an und ließ wenig Raum für weibliche Führung.

Dr. Ilka Werner, heute Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, erlebte ähnliche Hürden in ihrer frühen Karriere: knappe Stellenangebote und Vorurteile wegen ihres Geschlechts. Jüngere Pfarrerinnen wie Raphaela Demski-Galla wuchsen zwar mit der Erwartung von Gleichberechtigung auf, spürten aber weiterhin Unterschiede – etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass sie heute als „Schwester Demski-Galla“ angesprochen wird, zeigt, wie weit die Kirche in der Anerkennung weiblicher Führung gekommen ist.

Heute ordiniert die rheinische Landeskirche Frauen und Männer gleichberechtigt – anders als einige andere regionale Kirchen mit strengeren Regelungen. Vielfalt in der Führung, einschließlich unterschiedlicher Lebenswege und Identitäten, wird heute aktiv gefördert.

Im Solinger Kirchenkreis wirken nun 26 Pfarrer:innen, davon genau die Hälfte Frauen. Dieser Meilenstein steht für Jahrzehnte des Fortschritts – von rechtlichen Reformen bis zur gesellschaftlichen Akzeptanz. Mit ihrem heutigen Fokus auf Diversität stellt die Kirche sicher, dass unterschiedliche Stimmen ihre Zukunft prägen.