Verbotene Kosmetikprodukte fluten weiterhin den EU-Markt trotz strenger Regeln
Kirsten HentschelVerbotene Kosmetikprodukte fluten weiterhin den EU-Markt trotz strenger Regeln
Trotz strenger Vorschriften gelangen verbotene und gesundheitsschädliche Kosmetikprodukte weiterhin zu Verbrauchern in der EU. Untersuchungen zeigen, dass Erzeugnisse mit illegalen Inhaltsstoffen nach wie vor online und in Geschäften erhältlich sind. Angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher Risiken fordern Behörden nun eine verschärfte Kontrolle der Einhaltung.
Fast 2.000 Substanzen sind in der EU für Kosmetikartikel verboten – doch einige tauchen weiterhin in Produkten auf dem Markt auf. Seit 2012 wurden über 4.000 Kosmetikprodukte wegen gesundheitlicher Gefahren aus dem Verkehr gezogen. Dennoch werden verbotene Stoffe wie Lilial (BMHCA), das möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, immer wieder entdeckt. So enthielt eine Tube des Schwarzkopf-Glitzer-Haargels, die im März gekauft wurde, den untersagten Duftstoff.
Deutsche Aufsichtsbehörden prüfen jährlich rund 10.000 Kosmetikproben. Einige werden einer vollständigen chemischen Analyse unterzogen, andere nur auf korrekte Kennzeichnung kontrolliert. Dennoch schlüpfen illegale Produkte durch die Maschen. Rechercheure des Investigativmediums CORRECTIV konnten problemlos drei verbotene Kosmetikartikel online erwerben – darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon.
Die EU-Kommission nimmt nun Prostaglandin-Analoga ins Visier, die in Wimpernseren enthalten sind und mit Krebs sowie Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht werden. Diese Produkte sind weiterhin in großen Drogeriemarktketten weit verbreitet. Deutschland drängt auf schnellere rechtliche Schritte, um das Verbot durchzusetzen. Gleichzeitig wird Glyoxylsäure, die in Haarglättungsmitteln verwendet wird, wegen ihrer potenziellen Toxizität überprüft.
2025 untersuchte die Kommission über 1,6 Millionen Websites und entdeckte mehr als 20.000 illegale Produkte, darunter auch Kosmetika. Doch ein geplanter "Chemikalien-Omnibus"-Änderungsantrag könnte Unternehmen mehr Zeit einräumen, um verbotene Waren zu verkaufen. Kritiker warnen, dass dadurch schädliche Produkte länger auf dem Markt bleiben würden.
Die strengen Kosmetikvorschriften der EU stehen vor Herausforderungen, da verbotene Substanzen immer wieder in Produkten auftauchen. Da tausende illegale Artikel weiterhin im Umlauf sind, geraten die Behörden unter Druck, die Kontrollen zu verschärfen. Das Ergebnis des "Chemikalien-Omnibus"-Änderungsantrags könnte entscheiden, wie schnell gesundheitsschädliche Kosmetikprodukte aus den Regalen verschwinden.






