Thüringer Pilotprojekt kämpft gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Kirsten HentschelThüringer Pilotprojekt kämpft gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland ist von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen – das zeigen aktuelle Studien. Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen setzte sich zum Ziel, dieses Problem durch Aufklärung über digitale Risiken einzudämmen. Die von der Expertin Yasmina Ramdani geleitete Initiative erreichte Tausende Schülerinnen und Schüler mit Präventionsworkshops und Sensibilisierungsmaßnahmen.
Zwischen 2021 und 2024 führte Ramdani an Schulen in ganz Thüringen Workshops zur Vorbeugung durch. Das vom Landesbeauftragten für den Kinderschutz finanzierte Projekt war in dieser Form und diesem Umfang bundesweit einzigartig. Rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse nahmen an Veranstaltungen teil, die ihnen helfen sollten, digitale sexualisierte Gewalt zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Ein häufiges Risiko, das thematisiert wurde, ist Cybergrooming – eine Methode, bei der Täter gezielt das Vertrauen von Kindern im Netz aufbauen, um sie anschließend auszubeuten. Ramdanis Ansatz bestand darin, digitale Erfahrungen in alltagsnahe Gespräche zu übersetzen und das Thema so greifbarer zu machen. Sie betonte, dass die Sicherheit von Kindern maßgeblich davon abhängt, wie gut ihr Umfeld sie auf die Gefahren des Internets vorbereitet.
In den Workshops wurde auch deutlich, dass viele Grenzverletzungen innerhalb von Gleichaltrigengruppen stattfinden – oft aus Naivität und nicht aus böser Absicht. Eltern wurden dazu ermutigt, das eigene Verhalten zu reflektieren und mit ihren Kindern über digitale Grenzen zu sprechen. Ramdani argumentierte, dass Prävention deutlich kostengünstiger sei als die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Gewalterfahrungen.
Das Thema hat durch prominente Fälle wie den von Collien Fernandes und ihrem Ex-Mann Christian Ulmen zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten. Ihr Fall verdeutlichte die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen und unterstrich die Dringlichkeit von Aufklärung und Sensibilisierung.
Das Thüringer Pilotprojekt stattete Tausende Schülerinnen und Schüler mit Werkzeugen aus, um sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen. Zwar bleibt seine Reichweite in Deutschland bisher einzigartig – doch der Bedarf an ähnlichen Programmen ist offenkundig. Fast die Hälfte der jungen Menschen gibt an, bereits digitale sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Präventionsmaßnahmen sind daher dringender denn je.






