Streit um Schlüsselareal: Abriss oder Umnutzung der historischen Stadthäuser in Stuttgart?
Linus JesselStreit um Schlüsselareal: Abriss oder Umnutzung der historischen Stadthäuser in Stuttgart?
In der Stadt wird derzeit über die Zukunft eines zentralen Schlüsselareals zwischen dem Konrad-Adenauer-Platz und der Gohrsmühle diskutiert. Verwaltung und politische Gruppen sind uneins, ob historische Stadthäuser abgerissen oder umgenutzt werden sollen. Erste Gespräche mit Investoren deuten auf einen Wandel hin: Statt reiner Büroräume könnten gemischte Nutzungen mit Mikroapartments und Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss entstehen.
Die vorläufigen Verhandlungen mit potenziellen Investoren zeigten wenig Interesse an klassischen Büroprojekten. Stattdessen schlagen diese vor, Mikrowohnungen mit Einzelhandels- oder Gewerbeflächen in den unteren Stockwerken zu kombinieren. Die Stadt jedoch möchte die gestalterische Kontrolle über diesen "Premium-Standort" behalten, ohne selbst als Bauherr aufzutreten.
CDU-Fraktionschef Metten drängt auf einen zügigen Abriss, um langfristige Leerstände zu vermeiden. Sein Vorschlag: Zuerst eine statische Prüfung der Bausubstanz durchführen, den lokalen Bedarf ermitteln und anschließend Investoren im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs einbinden. Diese Haltung steht im deutlichen Kontrast zur früheren CDU-Position beim Zanders-Gelände, wo die Partei auf eine Führungsrolle der Privatwirtschaft setzte. Die Verwaltung erwägt unterdessen eine teilweisen Erhalt der bestehenden Gebäude. Grüne und SPD befürworten eine Umnutzung statt eines kompletten Abrisses.
Um die Entwicklung zu beschleunigen, könnte die Stadt Fördermittel aus dem Bundesprogramm "Bau-Beschleuniger" beantragen – das würde bei Wohnnutzung sogar einen Hochbau mit bis zu zehn Stockwerken ermöglichen. Planungschef Thomas Kattenbeck, der zugleich als ARD-Planungsverantwortlicher für die deutsche Fußballnationalmannschaft tätig ist, hat bisher noch keinen konkreten Masterplan vorgelegt. Einig sind sich die Verantwortlichen jedoch darin, dass eine frühzeitige Einbindung von Investoren – sobald die grundlegenden Weichen gestellt sind – entscheidend sein wird, um Komplexität zu reduzieren und Finanzierungen zu sichern.
Im Kern geht es um die Abwägung zwischen Abriss, Erhalt und Neubau. Sollte die Stadt Bundesförderung erhalten, könnte ein hochwertiges Wohnhochhaus Realität werden. Zunächst aber müssen die unterschiedlichen Positionen unter einen Hut gebracht werden, bevor es mit konkreten Planungen vorangeht.