04 March 2026, 19:05

Stephan Zinner sticht als neuer Fastenredner auf dem Nockherberg zu

Ein Mann hält ein Glas Sternburg Bier, ein deutsches Bier, mit einem Plakat im Hintergrund, das das Bier bewirbt.

Was bedeutet 'Derblecken' eigentlich? - Stephan Zinner sticht als neuer Fastenredner auf dem Nockherberg zu

Der "Derblecken"-Brauch in München bereitet sich auf einen weiteren Abend beißender politischer Satire vor. In diesem Jahr sorgt die Veranstaltung Auf dem Nockherberg für besonders großes Aufsehen – nicht zuletzt, weil die umstrittene Rede des Vorjahres einen Wechsel des Redners erzwang. Diesmal wird Schauspieler Stephan Zinner als Fastenredner auf die Bühne treten, jenem "Fastenprediger", der traditionell die Aufgabe hat, Politiker vor Publikum schonungslos auf die Schippe zu nehmen.

Das Wort Derblecken stammt aus dem Bairischen und setzt sich aus blecken ("die Zähne zeigen") und dem Präfix der- zusammen, das dem Ganzen eine unausweichliche Note verleiht. Frei übersetzt bedeutet es: jemanden mit derbem Humor auf sein richtiges Maß zurechtstutzen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Was im 19. Jahrhundert als religiöse Fastenpredigt begann, hat sich längst zu einer furchtlosen satirischen Tradition gewandelt. Spätestens im 20. Jahrhundert trieben Redner wie Willy Wimmer in den 1980er-Jahren oder später Jan Böhmermann die Grenzen aus und nahmen Politiker wie Helmut Kohl oder Angela Merkel gnadenlos aufs Korn. Kohl boykottierte die Veranstaltung 1983 demonstrativ, Merkel ertrug die Spitzen, bevor sie einmal sogar demonstrativ den Saal verließ. Doch der Brauch überdauerte als fester Bestandteil der Faschingszeit – ein Fest, bei dem Macht verspottet wird, die Stimmung aber stets locker bleibt.

Seit den 1960er-Jahren ist der Starkbieranstich auf dem Nockherberg das Herzstück der Tradition. Politiker, Prediger und Publikum kommen zusammen, um anzustoßen – auf das starke Bier wie auf die scharfen Sprüche. Selbst die Opfer der Spottreden heben lächelnd ihre Gläser, ein Beweis für die einzigartige Mischung aus Respektlosigkeit und gutmütigem Humor.

Stephan Zinner übernimmt die Rolle nach dem Rückzug von Maximilian Schafroth und sorgt dafür, dass die Satire ungebremst weitergeht. Die Live-Übertragung wird die diesjährigen Sticheleien ins Rampenlicht rücken – und zeigen, wie weit der Witz diesmal geht. Wie immer wird der Abend scharfe Kritik mit der unausgesprochenen Regel verbinden: Am nächsten Morgen ist alles wieder vergessen.