Skandal um illegale Erdentsorgung bei Bahn-Baustelle in Dortmund
Kirsten HentschelSkandal um illegale Erdentsorgung bei Bahn-Baustelle in Dortmund
Vor dem Landgericht Dortmund hat ein großer Prozess um die illegale Entsorgung von belastetem Erdreich von einer Baustelle der Deutschen Bahn begonnen. Im Mittelpunkt steht ein Recyclingunternehmen, dem vorgeworfen wird, fast 24.000 Tonnen verschmutzten Boden von den vorgeschriebenen Entsorgungswegen abgelenkt zu haben. Einer der mutmaßlichen Hauptverantwortlichen des Systems sieht sich nun mit schweren Vorwürfen konfrontiert.
Die illegalen Aktivitäten fanden zwischen Februar und November 2024 während des Baus eines neuen ICE-Instandhaltungswerks in Dortmund statt. Die Anlage, die über 400 Millionen Euro kostet, soll bis zu 17 Hochgeschwindigkeitszüge täglich warten und wird als klimaneutrales Projekt beworben. Statt fachgerecht entsorgt zu werden, sollen rund 1.000 Lkw-Ladungen des belasteten Erdreichs von dem Recyclingunternehmen abtransportiert worden sein.
Ermittlern zufolge wurde der kontaminierte Boden in zwei Kiesgruben am Niederrhein verklappt. Dasselbe Unternehmen wird zudem beschuldigt, auch Abfälle von anderen Standorten illegal behandelt zu haben. Der Angeklagte im Prozess hat bereits eine Vorstrafe wegen Umweltvergehen: Er saß bereits wegen seiner Beteiligung an der illegalen Entsorgung von giftigen Ölpellets im Gefängnis.
Der Fall wirft Fragen nach der Aufsicht der Deutschen Bahn über die Abfallentsorgung auf ihren Baustellen auf. Die fehlende Erde wurde erst entdeckt, nachdem Behörden Unstimmigkeiten in den Entsorgungsunterlagen bemerkt hatten.
Im Prozess wird untersucht, wie eine solch groß angelegte illegale Operation monatelang unentdeckt bleiben konnte. Bei einer Verurteilung drohen den Verantwortlichen erhebliche Strafen. Das Werk soll zwar planmäßig Mitte 2027 in Betrieb gehen, doch der Skandal hat Zweifel an den ökologischen Versprechen des Projekts aufkommen lassen.






