"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim wohl keine Pest-Andeutung ist
Kirsten Hentschel"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim wohl keine Pest-Andeutung ist
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein harmloses Kinderspiel statt Pest-Andeutung?
Der Kinderreim „Ringel, Ringel, Reihe“ gibt seit langem Rätsel über seine möglichen Ursprünge auf. Viele vermuten einen Bezug zur Pest, doch Historiker plädieren für eine weitaus einfachere Erklärung: Das Lied entstand vermutlich als sang- und spielbegleitetes Kindervergnügen im Deutschland des 18. Jahrhunderts.
Die früheste gedruckte englische Fassung erschien erst 1881 – ein Indiz, das eine Verbindung zum „Schwarzen Tod“ des 14. Jahrhunderts unwahrscheinlich macht. Die These vom Pest-Bezug wurde überhaupt erst 1961 aufgestellt, mehr als 80 Jahre nach der ersten Veröffentlichung des Reims.
Die Textvarianten sind zahlreich, was die Rückverfolgung eines einzigen Ursprungs erschwert. Die „Röslein“ könnten schlicht Freude oder Liebe symbolisieren statt Pestpusteln, die „Täschchen“ (im Original „posies“) eher Blumen im Spiel als Schutz vor Ansteckung darstellen.
Auch das „Hatschi“ und „alle fallen um“ lassen sich spielerisch deuten: Sie könnten schlicht zur Choreografie des Reigens gehören. Historiker betonen, dass der Vers höchstwahrscheinlich der Unterhaltung diente – ohne düstere historische Untertöne.
Die heute vorherrschende Auffassung besagt, dass „Ringel, Ringel, Reihe“ ein reines Kinderspiel war. Worte und Bewegungen dienten dem Vergnügen, nicht als Pest-Anspielung. Diese Deutung stützt sich auf belastbarere Belege als alle anderen Theorien.






