Rettung für HKM: Salzgitter übernimmt Duisburger Stahlwerk – doch der Wandel kommt
Linus JesselRettung für HKM: Salzgitter übernimmt Duisburger Stahlwerk – doch der Wandel kommt
Die Zukunft des Hüttenwerks Krupp Mannesmann (HKM), eines historischen Stahlwerks in Duisburg, ist nach einer letzten Rettungsübernahme gesichert. Die Salzgitter AG sprang ein, um das 116 Jahre alte Werk vor der Schließung zu bewahren. Der Deal bringt den Beschäftigten Erleichterung, deutet aber auch auf tiefgreifende Veränderungen für den Standort und die Belegschaft hin.
Über ein Jahrhundert lang floss in HKM flüssiges Roheisen aus den Hochöfen und tauchte den Nachthimmel gelegentlich in ein gelbes Glimmen. Nun steht das Werk vor einem Wandel, während es sich an die neue Eigentümerstruktur und die Marktherausforderungen anpasst.
HKM ist kein unabhängiges Unternehmen mehr. Der bisherige Mehrheitsaktionär Thyssenkrupp hält nun 50 Prozent der Anteile, während die Salzgitter Mannesmann GmbH 30 Prozent und Vallourec 20 Prozent übernehmen. Thyssenkrupp drängt darauf, sich schnell aus dem Joint Venture zurückzuziehen, und bietet sogar finanzielle Unterstützung an, um die Umstrukturierung des Standorts voranzutreiben.
Die Übernahme ist an strenge Auflagen geknüpft. Eine zentrale Forderung von Thyssenkrupp war die vorzeitige Beendigung des Liefervertrags mit HKM – drei Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Dieser Schritt unterstreicht den Druck, die Betriebsabläufe im Werk neu auszurichten, das derzeit jährlich über vier Millionen Tonnen Stahl produziert.
Stellenabbau ist unvermeidlich. Rund 1.000 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, doch fast 2.000 Beschäftigte müssen in den kommenden Jahren im Rahmen sozialverträglicher Maßnahmen das Unternehmen verlassen. Die Einigung hat die Ängste der Belegschaft gemildert, von denen viele um ihre Existenz fürchteten, falls das Werk geschlossen würde. Dennoch bleibt die Zukunft ungewiss – veraltete Hochöfen werfen Fragen nach den künftigen Produktionskapazitäten auf.
Der Wandel der Stahlindustrie hin zu umweltfreundlicheren Verfahren erhöht die Komplexität. Während der schwedische Hersteller Stegra ein mit Wasserstoff betriebenes Stahlwerk entwickelt, das die Emissionen um bis zu 95 Prozent senken soll, haben hohe Energiekosten in Deutschland bereits ähnliche Projekte zum Scheitern gebracht. ArcelorMittal lehnte Mitte 2025 staatliche Fördergelder in Höhe von 1,3 Milliarden Euro ab und stoppte damit seine Pläne für "grünen Stahl" – ein Zeichen für die Herausforderungen, vor denen die Branche steht.
Die Übernahme sichert zwar das Überleben von HKM, doch die langfristige Zukunft hängt von Modernisierung und der Anpassung an eine sich wandelnde Industrie ab. Die Belegschaft wird deutliche Personalreduzierungen erleben, auch wenn Maßnahmen die sozialen Folgen abfedern sollen. Gleichzeitig muss sich das Werk technologischen und wirtschaftlichen Hürden stellen, während Europas Stahlsektor mit den Anforderungen an Nachhaltigkeit ringt.