Rechtsextremisten werben gezielt junge Rekruten über Social Media und Events an
Laila SchomberRechtsextremisten werben gezielt junge Rekruten über Social Media und Events an
Rechtsextremismus in Deutschland wird jünger und digitaler seit der Coronavirus-Pandemie
Neonazistische Gruppen konzentrieren sich zunehmend auf die Rekrutierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ein aktueller Bericht zeigt, dass viele dieser Organisationen kaum Mitglieder über 23 Jahre zählen.
Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sind rund 1.200 bis 1.500 Personen unter 23 Jahren in beobachteten neonazistischen Netzwerken aktiv. Diese Gruppen nutzen soziale Medien, Offline-Veranstaltungen und extreme Ideologien, um gefährdete Jugendliche anzuwerben.
Gruppierungen wie "Jung & Stark", "Störtrupp" und "Deutsche Jugend voran" dominieren die Rekrutierungsszene. Ihre Telegram-Kanäle – etwa "Jung & Stark" mit über 5.000 Followern – verbreiten Fitness-Propaganda und Kampftrainingsvideos. Auf TikTok locken nationalistische Memes und jugendgerechte Botschaften jüngere Zielgruppen an.
Offline veranstalten diese Organisationen Konzerte, Märsche und Freizeitaktivitäten in ostdeutschen Städten wie Chemnitz und Leipzig. Die sogenannten "Active Clubs" ködern Rekruten mit Zeltlagern, Kampfsport und Abenteuerveranstaltungen. Die jüngsten Mitglieder – teilweise erst 13 Jahre alt – übernehmen bereits Führungsrollen in extremistischen Chatgruppen.
In Köln wurde ein 13-Jähriger zum Aushängeschild einer Gruppe, die Anleitungen zum Bombenbau teilte und zu Gewalt gegen Juden und Afrikaner aufrief. In Essen plante ein 16-jähriger rechtsextremer Schüler ein Schulmassaker, bevor die Polizei einschritt. Rechtsextremisten verherrlichen zudem Massenmörder wie Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Menschen tötete.
Die "Neue Rechte", trotz ihres gepflegten Images, steht weiterhin unter Beobachtung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes. Gleichzeitig gibt es auch im islamistischen Spektrum ungewöhnliche Akteure: So spielt etwa Hanna Hansen – ehemalige Boxerin, Model und Designerin – heute eine zentrale Rolle in der regionalen Islamistenszene.
Experten warnen, dass besonders Jugendliche ohne stabiles soziales Umfeld gefährdet sind. Begriffe wie "Volk", "Heimat" und Rasse finden bei jungen Männern in diesen Kreisen starken Anklang und festigen ihre extremistischen Überzeugungen.
Die Verjüngung und Digitalisierung des Rechtsextremismus stellt die deutschen Behörden vor neue Herausforderungen. Da die Anwerbung über soziale Medien, Offline-Events und erlebnisorientierte Aktivitäten läuft, müssen Überwachung und Prävention angepasst werden. Die Erkenntnisse des BfV unterstreichen die dringende Notwendigkeit, die Radikalisierung gefährdeter Jugendlicher zu bekämpfen, bevor sie weiter eskaliert.






