Prominente verteidigen künstlerische Freiheit gegen politischen Druck an Düsseldorfer Akademie
Laila SchomberOffener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Prominente verteidigen künstlerische Freiheit gegen politischen Druck an Düsseldorfer Akademie
Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die künstlerische und akademische Freiheit in Deutschland verteidigen. Der Streit dreht sich um eine Veranstaltung an der Kunstakademie Düsseldorf mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif, die nach Vorwürfen des Antisemitismus Absageforderungen auslöste. Zu den Unterzeichnenden zählen prominente Persönlichkeiten wie der Fotograf Wolfgang Tillmans und die Philosophin Susan Neiman. Sie argumentieren, dass politischer Druck die verfassungsmäßig geschützten Freiheiten untergraben könnte.
Die Kontroverse begann, als al-Sharifs für 2026 geplante Veranstaltung wegen ihrer kritischen Äußerungen zu Israel in sozialen Medien in die Kritik geriet. Zwar kam eine juristische Prüfung zu dem Schluss, dass ihre Aussagen strafrechtlich nicht relevant seien und unter die Meinungsfreiheit fallen, doch Drohungen in sozialen Medien zwangen die Akademie, die Veranstaltung im Januar 2026 als geschlossene Runde durchzuführen. Donatella Fioretti, Rektorin der Kunstakademie, verteidigte die Entscheidung mit Verweis auf die künstlerische Freiheit, sah sich jedoch mit Gegenwind konfrontiert – darunter eine Petition, die ihren Rücktritt forderte.
Der offene Brief bekundet Solidarität mit Fioretti und warnt vor zunehmender politischer Einmischung in Kultureinrichtungen. Die Unterzeichnenden verurteilen die Verwendung des Begriffs "Deckmantel" der künstlerischen und akademischen Freiheit – eine Formulierung, die ursprünglich von der rechtspopulistischen AfD geprägt wurde. Sie werfen vor, dass damit grundlegende Rechte pauschal unter Generalverdacht gestellt würden. Betont wird, dass Artikel 5 des Grundgesetzes auch unpopuläre oder kontroverse Standpunkte schütze. Die Unterzeichnenden fordern die Politik auf, sich klar zu diesen Schutzrechten zu bekennen.
Fioretti soll am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Kultur- und Medienausschusses des Landtages aussagen. Die Initiator:innen des Briefes warnen, dass politische Einschüchterungsversuche die Autonomie der Hochschulen gefährden und ein gefährliches Präzedenz für künftige Eingriffe in verfassungsmäßig garantierte Freiheiten schaffen könnten.
Der Brief unterstreicht die Sorge, dass politischer Druck die Unabhängigkeit von Universitäten und Kultureinrichtungen aushöhlen könnte. Fiorettis anstehende Aussage wird die Debatte über den Ausgleich zwischen freier Meinungsäußerung und öffentlicher Kontrolle weiter anheizen. Die Veranstaltung mit al-Sharif fand unter Auflagen statt, während die grundsätzliche Diskussion über künstlerische Freiheit und politischen Einfluss an Fahrt aufnimmt.