NRW verliert Apotheken in Rekordtempo – Patienten leiden unter Versorgungslücken
Linus JesselNRW verliert Apotheken in Rekordtempo – Patienten leiden unter Versorgungslücken
Apotheken in Nordrhein-Westfalen schließen in rasantem Tempo – viele Gemeinden ohne ausreichende Arzneimittelversorgung
In Nordrhein-Westfalen schließen Apotheken in immer schnellerem Tempo, sodass viele Gemeinden zunehmend weniger Möglichkeiten haben, lebenswichtige Medikamente zu beziehen. Bis Ende 2025 hatte die Region netto 43 Apotheken verloren – ein Rückgang um 2,2 Prozent innerhalb nur eines Jahres. Patienten müssen nun weitere Wege in Kauf nehmen, insbesondere bei dringenden oder außerplanmäßigen Behandlungen, da vor allem ländliche und städtische Randgebiete von den Schließungen betroffen sind.
Die Apothekerkammer Nordrhein meldete erhebliche Verluste in mehreren Kreisen. Sowohl Düsseldorf als auch Duisburg verzeichneten 2025 jeweils sechs Schließungen, während in beiden Städten nur eine neue Apotheke eröffnet wurde. Noch stärker betroffen war die Städteregion Aachen: Hier schlossen fünf Apotheken, ohne dass auch nur eine Ersatzapotheke hinzukam. Im Kreis Viersen gab es vier Schließungen, während der Kreis Heinsberg als einzige Ausnahme eine neue Apotheke gewann – ohne dass eine andere schließen musste.
Bundesweit sank die Zahl der Apotheken um 2,8 Prozent, sodass zu Beginn des Jahres 2026 nur noch 16.601 übrig waren. Die Schließungswelle setzt die verbleibenden Apothekeninhaber unter zusätzlichen Druck, die nun größere Versorgungsgebiete abdecken müssen – ohne höhere Vergütung. Ihre Bezahlung ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert geblieben, obwohl Kosten und Nachfrage stetig steigen. Noch 2025 hatten CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag angekündigt, die Apothekengebühren anzuheben. Doch der Entwurf zur Apothekenreform, den das Kabinett am 17. Dezember vorlegte, enthielt keine entsprechende Regelung. Auch die SPD, die in ihrem Bündnis mit Grünen und FDP ebenfalls Gebührenerhöhungen versprochen hatte, sah sich im endgültigen Vorschlag nicht umgesetzt. Die Apothekerkammer fordert die Bundesregierung nun zum Handeln auf und warnt: Ohne höhere Vergütungen könnte die flächendeckende Arzneimittelversorgung langfristig gefährdet sein.
Der anhaltende Rückgang der Apotheken zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung – 2025 war erneut ein Jahr mit Nettoverlusten. Während die Schließungen weitergehen, müssen Patienten in betroffenen Regionen weitere Wege für Rezepte und Notfalldienste auf sich nehmen. Ohne politische Kurskorrekturen wird der Druck auf die verbleibenden Apotheken – und die Menschen, die auf sie angewiesen sind – weiter steigen.