NRW erhält 10 Milliarden – doch SPD-Politiker warnt vor "Zwei-Klassen-Bildung"
Linus JesselNRW erhält 10 Milliarden – doch SPD-Politiker warnt vor "Zwei-Klassen-Bildung"
Nordrhein-Westfalen (NRW) soll aus dem Bundesinfrastrukturfonds 10 Milliarden Euro erhalten – die Hälfte davon ist für den Bildungsbereich vorgesehen. Doch der familienpolitische Sprecher der SPD, Dennis Maelzer, hält die Summe für unzureichend, um die Bedürfnisse der Region zu decken. Er warnt, dass die aktuellen Pläne tiefe Ungleichheiten in der Kinderbetreuung und Ausbildungsförderung schaffen könnten.
Die Mittel sind Teil eines umfassenden Investitionspakets, das die Bildung in ganz NRW verbessern soll. Maelzer kritisiert jedoch, dass die Gelder nicht ausreichen – insbesondere im Bereich der frühkindlichen Bildung. Er verwies darauf, dass die Ausbildungszahlen für Erzieherinnen und Erzieher seit fünf Jahren nicht gestiegen seien, was den Sektor chronisch unterfinanziert lasse.
Seine Kritik richtet sich auch gegen das "Kernzeitenmodell" in der NRW-Kinderbetreuung. Maelzer befürchtet, dass dieses System eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft" begünstigen könnte, in der manche Kinder bessere Förderung erhalten als andere. Diese Bedenken äußerte er bei einer Pressekonferenz und diskutierte sie später in der WDR-5-Sendung Westblick.
Maelzer schlägt vor, staatliche Zuschüsse, die derzeit für verlängerte Betreuungszeiten verwendet werden, umzuwidmen. Stattdessen sollen die Mittel in die Ausbildung von Fachkräften für die frühkindliche Bildung fließen. Seine Äußerungen folgen anhaltender Kritik an der Kibiz-Reform, die bereits mehrfach nachgebessert werden musste und unter einem Mangel an qualifiziertem Personal leidet.
Die aktuelle Investition steht im Kontrast zu früheren Programmen wie dem Gute-Schule-2020-Projekt, das jährlich 500 Millionen Euro für Schulsanierungen bereitstellte. Maelzer betont jedoch, dass nun mehr nötig sei, um die Personal- und Ausbildungslücken zu schließen.
Zwar soll die Milliarde die Bildung in NRW stärken, doch Maelzers Einwände deuten auf tiefgreifendere Herausforderungen hin. Ohne weitere Erhöhungen der Ausbildungsförderung und Reformen im Betreuungssystem könnten Qualitäts- und Zugangsunterschiede bestehen bleiben. Die Debatte dreht sich nun darum, wie die neuen Mittel am besten eingesetzt werden können, um ein gespaltenes System zu vermeiden.






