03 April 2026, 02:11

Neuer Streit um Rodung des "Sünderchens" für den Kiesabbau im Rheinland

Schwarzes und wei├čes Foto eines Kohlebergbaus mit Geb├Ąuden, Strommasten und B├Ąumen im Hintergrund und Text unten.

Was Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Neuer Streit um Rodung des "Sünderchens" für den Kiesabbau im Rheinland

Ein kleines Waldstück in der Nähe des Tagebaus Hambach soll gerodet werden – und entfacht damit erneut die Konflikte um den Braunkohleabbau in Deutschland. Der als "Sünderchen" bekannte Wald liegt östlich des Hambacher Forstes, der 2020 durch einen Kompromiss gerettet wurde. Nun kommt es wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Behörden, nachdem die Fällarbeiten begonnen haben.

Der Name des Waldes geht auf lokale Sagen zurück, in denen sich einst Dorfbewohner zu geheimen Versammlungen trafen. Doch seine Zukunft hängt heute nicht mehr von alten Geschichten ab, sondern von Gerichtsurteilen und den Plänen eines Energiekonzerns.

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Im Mittelpunkt des Streits steht der Plan des Energieunternehmens RWE, das "Sünderchen" für den Kiesabbau zu roden. Der Konzern begründet dies damit, dass das Material für die Stabilisierung der Ufer eines künftigen künstlichen Sees unverzichtbar sei. RWE versichert, alle notwendigen Artenschutzprüfungen seien abgeschlossen und die Genehmigungen lägen vor. Bei den Prüfungen wurden vier geschützte Arten berücksichtigt: die Bechsteinfledermaus, der Haselmaus-Siebenschläfer, der Mittelspecht und der Laubfrosch. Für ihren Schutz seien entsprechende Maßnahmen vorgesehen.

Im Januar bestätigte das Oberverwaltungsgericht Münster die Rodung und urteilte, dass keine Verstöße gegen den Artenschutz vorlägen. Dennoch kritisieren Gegner, dass hier ein intaktes Ökosystem unnötig geopfert werde. Einige behaupten sogar, der abgebauten Kies könnte am Ende in einer Luxus-Yacht-Marina landen – statt für Umweltsanierungen genutzt zu werden.

Die Fällarbeiten sind ab dem 1. Oktober erlaubt, ab dem 20. Oktober sollen Polizeieinsätze beginnen, um Aktivisten zu räumen. Die Rodung reiht sich ein in Jahrzehnte des Braunkohleabbaus im Rheinland, der tiefe Krater in die Landschaft gerissen hat. Nordrhein-Westfalen plant, den Braunkohleabbau bis 2030 auslaufen zu lassen. Ehemalige Tagebaue wie Inden und Garzweiler sollen dann zu Seen umgewandelt werden.

Das "Sünderchen" war nie Teil des "Braunkohle-Kompromisses" von 2020, der den größeren Hambacher Forst rettete. Die Räumung weckt Erinnerungen an die jahrelangen Besetzungen dort, bei denen Aktivisten und Polizei im Kampf um den Erhalt des Waldes gegen die Kohleausweitung aneinandergerieten.

Die Rodung des "Sünderchens" markiert einen weiteren Schritt im schrittweisen Ende des Braunkohleabbaus im Rheinland. Mit den rechtlichen Genehmigungen in der Tasche und laufenden Polizeieinsätzen wird der Wald bald dem Kiesabbau weichen. Langfristig soll das Gelände Teil eines gefluteten Tagebaus werden – und damit ein weiteres Stück des industriellen Erbes der Region in einen See verwandelt werden.

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