Münster stimmt über Umbenennung kolonial belasteter Straßennamen ab
Kirsten HentschelMünster stimmt über Umbenennung kolonial belasteter Straßennamen ab
Zwei Straßen im Münsteraner Stadtteil Gremmendorf könnten bald ihre kolonial geprägten Namen verlieren. Der Bezirksrat Südost stimmt am 9. Dezember 2025 darüber ab, ob der Lüderitzweg und der Woermannweg umbenannt werden. Der Schritt folgt auf jahrelange Bürgerpetitionen und offizielle Prüfungen der umstrittenen Namensgeber.
Die Debatte um die Straßennamen begann 2020, als Anwohner:innen Petitionen einreichten. Sie argumentierten, dass beide Persönlichkeiten – Adolf Lüderitz und Adolf Woermann – mit rassistischen und aggressiv kolonialistischen Praktiken in Verbindung stehen. Lüderitz, 1834 geboren, spielte eine zentrale Rolle bei der gewaltsamen deutschen Kolonialexpansion in Afrika. Die Straßen wurden zudem während der NS-Zeit benannt, was die Forderungen nach einer Änderung verstärkt.
Die Stadtverwaltung Münster hat nun empfohlen, beide Straßen umzubenennen. Ihre Prüfung ergab, dass die Namen im Widerspruch zu den städtischen Richtlinien für öffentliche Ehrungen stehen. Der Vorschlag der Verwaltung wird dem Bezirksrat Südost zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. Der Lüderitzweg wurde bereits einmal umbenannt – sein aktueller Name bezieht sich nicht mehr auf eine konkrete Person. Aktivist:innen bestehen jedoch darauf, dass ein vollständiger Neuanfang nötig ist, um sich von der kolonialen Vergangenheit zu lösen.
Die Abstimmung am 9. Dezember wird entscheiden, ob die Straßen neue Namen erhalten. Bei einer Zustimmung sollen diese im Einklang mit Münsters historischen und ethischen Maßstäben gewählt werden. Das Ergebnis markiert dann das Ende eines Prozesses, der vor über fünf Jahren durch öffentlichen Druck in Gang gesetzt wurde.