Mönchengladbachs Wandel: Bundeswehrstandort statt Gewerbegebiet – und was jetzt?
Laila SchomberMönchengladbachs Wandel: Bundeswehrstandort statt Gewerbegebiet – und was jetzt?
Das ehemalige Gemeinsame Hauptquartier (JHQ) in Köln wird nach einer Einigung zwischen Bund und Land zu einer neuen Bundeswehreinrichtung umgebaut. Die Entscheidung stößt auf gemischte Reaktionen: Während lokale Verantwortungsträger die militärische Aufwertung begrüßen, äußern sie zugleich Bedenken wegen verlorener Chancen für gewerbliche Ansiedlungen.
Parallel plant das Land den Bau eines Unterbringungszentrums mit 140 Plätzen für abschiebungspflichtige Personen auf dem Gelände der ehemaligen Stuttgarter Kaserne. Das Vorhaben wird von Politikern verschiedener Ebenen sowohl gelobt als auch kritisiert.
Die Bund-Länder-Vereinbarung verwandelt das JHQ in einen Bundeswehrstandort – ein Schritt, den Oberbürgermeister Felix Heinrichs als Meilenstein für Mönchengladbachsökologische und wirtschaftliche Wende bezeichnete. Die Stadt warnt jedoch, dass dadurch kein Raum für weitere gewerbliche Expansion bleibe, die sie für Arbeitsplätze und Investitionen als unverzichtbar ansieht.
Um diese Sorgen auszuräumen, kündigte Heinrichs an, mit dem Land nachverhandeln zu wollen. Ziel sei es, Flächen für Wirtschaftsprojekte und neue Arbeitsplätze zu sichern. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner sagte Unterstützung zu: Er versprach, entweder auf dem JHQ-Gelände kommunale Gewerbeflächen zu entwickeln oder diese an anderer Stelle auszuweiten, falls die ursprüngliche Kapazität ungenutzt bleibe.
Die SPD-Stadtratsfraktion kritisierte hingegen den Kurs des Landes und warnte, die Pläne gefährdeten Mönchengladbachs wirtschaftliche Zukunft. Man befürchte, der Stadt könnten Mittel für zusätzliche Gewerbegebiete entgehen.
Unabhängig davon wird die stillgelegte Niederrheinkaserne nahe der Autobahnausfahrt Nord umgenutzt: Dort entsteht das 140-Betten-Unterbringungszentrum für Menschen im Abschiebeverfahren. Josefine Paul, Flüchtlings- und Integrationsministerin von NRW, lobte die Entscheidung als Schritt, um Abschiebungen rechtssicher und geordnet durchzuführen.
Der Rest des Kasernengeländes geht an die NEW, den lokalen Versorger, der dort ein nachhaltiges Busdepot für die voll-elektrifizierten Flotten Mönchengladbachs und Viersens einrichten wird. Das Projekt soll 400 langfristige Arbeitsplätze schaffen.
NRW-Finanzminister Dr. Marcus Optendrenk bezeichnete die Gesamtlösung als ausgewogenen Kompromiss für alle Beteiligten.
Während der Bundeswehrausbau in Mönchengladbach voranschreitet, muss die Stadt nun in Verhandlungen eintreten, um Flächen für Wirtschaftsprojekte zu sichern. Das Gelände der Niederrheinkaserne wird zwischen Abschiebeeinrichtung und neuem E-Bus-Depot aufgeteilt – ein Vorhaben, das sowohl Jobs als auch Kontroversen mit sich bringt.
Die lokalen Verantwortlichen stehen nun vor der Aufgabe, mit dem Land eine Balance zwischen militärischer Expansion, gewerblichen Flächen und Arbeitsplatzperspektiven zu finden.