Mitarbeiterin hält Notfallapotheke in Minden mit Strohhalm-Trick am Laufen
Linus JesselMitarbeiterin hält Notfallapotheke in Minden mit Strohhalm-Trick am Laufen
Apotheke in Minden arbeitet seit einem Monat im Notbetrieb – nach Ausfall der Notfallapotheke
Seit einem Monat läuft die Königstor-Apotheke in Minden im Ausnahmezustand: Ihre automatisierte Abgabesystem ist ausgefallen, und die pharmazeutisch-technische Assistentin Birgit Maier erledigt die Arbeit nun per Hand. Mit einer Strohhalm-Saugmethode holt sie Medikamente aus den Fächern, ohne die Verpackungen zu beschädigen. Der Vorfall zeigt, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einspringen, wenn die Technik versagt.
Vor einem Monat fiel das automatisierte System der Notfallapotheke aus – seither improvisiert das Team. Maier hat den defekten Ausgabeautomaten kurzerhand zu ihrem Arbeitsplatz umfunktioniert. Die Medikamente sortiert sie in einem komplexen Raster nach Verfallsdaten, Farben und Anwendungsgebieten. Jedes Präparat erkennt sie auf einen Blick, behält dabei sogar Preise und Vertragsrabatte im Kopf.
Kundinnen und Kunden berät sie über ein Headset – fast wie eine Drive-in-Mitarbeiterin. Dass sie die Apotheke am Laufen hält, unterstreicht, wie unverzichtbar technisches Fachpersonal wird, wenn Maschinen streiken. Kein Einzelfall: Eine Notfallapotheke in Ostfriesland wartet seit einem Jahr auf die Reparatur ihres 250.000-Euro-Abgabegeräts. Gleichzeitig deckte eine aktuelle Untersuchung des NDR-Magazins Markt auf, dass nur zwei von zehn Apotheken eine fachgerechte Beratung anboten. Trotz solcher Probleme sieht der GKV-Spitzenverband keinen Anlass zur Sorge angesichts der sinkenden Apothekenzahlen in Deutschland.
Maiers Einfallsreichtum sichert den Betrieb in Minden – ein Beweis dafür, wie qualifiziertes Personal Lücken schließt, die defekte Technik reißt. Doch die langen Reparaturzeiten und die ungleiche Servicequalität in Apotheken werfen Fragen zur Zuverlässigkeit der Branche auf. Bis auf Weiteres bleiben Fachkräfte wie sie das Rückgrat des Tagesgeschäfts.