Meinungsfreiheit oder politische Zensur? Warum das Berliner HKW in der Krise steckt
Laila SchomberMeinungsfreiheit oder politische Zensur? Warum das Berliner HKW in der Krise steckt
Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte über Meinungsfreiheit und politischen Einfluss in der deutschen Kunstszene. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der erste schwarze Direktor der Institution, wurde im Juli 2024 nach einem Streit um ein abgesagtes Konzert entlassen. Die Affäre hat tiefe Gräben im deutschen Kulturbetrieb offenbart und wirft Fragen zur Rolle öffentlich finanzierter Einrichtungen auf.
Ndikung, ein kamerunischer Biologe und Kurator, hatte 2023 die Leitung des HKW übernommen – ein historischer Moment, da er als erste Person of Color eine bedeutende deutsche Kultureinrichtung führte. Unter seiner Ägide verfolgte das Haus in Sichtweite des Bundeskanzleramts ein "postkoloniales" Programm und präsentierte internationale Künstler wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch sein Ansatz stieß in Teilen der deutschen Kunstwelt auf Kritik.
Der Eklat eskalierte Anfang 2024, als ein Konzert des schwäbischen Rappers Chefket abgesagt wurde. Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte sich eingeschaltet und gegen Chefkets "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Schrift protestiert. Kritiker warfen Ndikung vor, mit seiner dekolonialen Ausrichtung antisemitische und pro-Hamas-Haltungen zu fördern. Die Absage löste eine Welle der Empörung aus: Aus Solidarität mit Chefket sagten alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab.
Bereits zuvor hatte der Satiriker Jan Böhmermann mit seiner Ausstellung "Die Möglichkeit des Unvernunft" versucht, Aufmerksamkeit auf das HKW zu lenken. Doch die politische Isolation des Hauses blieb bestehen. Im Juli 2024 entließ die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Ndikung – und setzte damit seinem reformerischen Kurs ein Ende. Die Entscheidung zwingt zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung darüber, wie Vielfalt und Aktivismus in staatlich geförderten Kultureinrichtungen verankert werden können.
Mit Ndikungs Abgang ist die Zukunft des HKW ungewiss. Der Konflikt zeigt die Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit, politischer Aufsicht und den kulturellen Prioritäten Deutschlands. Da sich keine deutschen Künstler mehr bereit erklären, dort aufzutreten, steht die Institution vor einer schwierigen Bewährungsprobe.






