31 January 2026, 20:19

Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben – während Online-Riesen wie Shop Apotheke boomen

Eine Apotheke mit einem vor ihr geparkten Fahrzeug und einem Gebäude links daneben.

Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben – während Online-Riesen wie Shop Apotheke boomen

Deutschlands lokale Apotheken stecken in der Krise – während Online-Apotheken boomt

Die heimischen Apotheken in Deutschland sehen sich einer immer größeren Existenzbedrohung gegenüber, da Online-Apotheken rasant wachsen. Prominente Werbekampagnen – wie die von Günther Jauch für die niederländische Shop Apotheke – haben bei traditionellen Apothekern Empörung ausgelöst. Hinter den Spannungen verbirgt sich ein Überlebenskampf: In den letzten zwei Jahrzehnten mussten Tausende stationäre Apotheken schließen.

Seit 2004 haben fast 3.400 Apotheken in Deutschland dichtgemacht. Gab es 2013 noch rund 20.000, werden bis Ende 2025 voraussichtlich nur noch 16.601 übrig sein. Die Schließungswelle hat sich beschleunigt, weil die Erstattungssätze für Rezepturen seit 2013 bei starr 8,35 Euro pro Verordnung liegen – während die Betriebskosten um 65 Prozent und die Personalkosten um fast 80 Prozent stiegen.

Eine Familie, die sich gegen den Trend stemmt, sind die Olgemöllers, die in Essen die Wasserturm-Apotheke betreiben. Ihre Filiale ist eine von nur noch drei im gesamten Stadtteil – ein Mangel, der sich besonders in Notfällen schmerzhaft bemerkbar macht. Sie kritisieren, dass Online-Apotheken wie Redcare sich auf einfache Bestellungen konzentrieren und den stationären Apotheken die komplexen Fälle überlassen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, entwickelten die Olgemöllers zwar eine eigene App, lehnen es aber ab, persönliche Beratung durch automatisierte Terminals zu ersetzen.

Redcare hingegen feiert seine aufsehenerregenden Werbespots mit Quizmaster Günther Jauch ("Wer wird Millionär?"). Das Unternehmen rechnet mit starkem Wachstum durch die Einführung des E-Rezepts und wirbt mit einer KI-gestützten Logistik, um die Kapazitäten auszubauen. Online-Apotheken locken zudem mit Rabatten, die stationäre Apotheken gesetzlich nicht gewähren dürfen. Zwar behaupten sie, Versorgungslücken zu schließen – Kritiker werfen der Politik jedoch vor, mit veralteten Regelungen ausländische Konzerne zu begünstigen und lokale Betriebe zu benachteiligen.

Deutschland verfügt mittlerweile über eine der niedrigsten Apothekendichten Europas. Branchenexperten sehen die Hauptgründe für den Niedergang in der finanziellen Belastung und der politischen Förderung digitaler Alternativen.

Die Entwicklung hin zu Online-Apotheken zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Unternehmen wie Redcare setzen auf Automatisierung und KI, während traditionelle Apotheker wie die Olgemöllers sich anpassen – aber warnen: Ohne Kurskorrekturen in der Politik werde es weitere Schließungen geben. Die Debatte dreht sich nun darum, ob Bequemlichkeit oder die Nahversorgung mit persönlicher Betreuung die Zukunft der deutschen Apothekenlandschaft prägen soll.