10 February 2026, 21:16

Kölner Rosenmontagszug verzichtet bewusst auf Putin-Wagen – Tilly übernimmt die Satire

Eine Seite aus einer russischen Zeitung mit einer Karikatur eines Mannes in Anzug, Mantel und Hut auf einem Podest, umgeben von einer Menge, mit der Aufschrift "Die russische Revolution".

Kölner Karnevalisten verteidigen Abwesenheit von Putin-Schauwagen - Kölner Rosenmontagszug verzichtet bewusst auf Putin-Wagen – Tilly übernimmt die Satire

Kölner Rosenmontagszug findet dieses Jahr statt – aber ohne Putin-Wagen

Der traditionelle Kölner Rosenmontagszug wird in diesem Jahr wie gewohnt mit politischer Satire stattfinden – doch eine bekannte Persönlichkeit wird fehlen. Die Veranstalter bestätigten, dass der russische Präsident Wladimir Putin diesmal nicht auf den Festwagen der Domstadt zu sehen sein wird. Stattdessen übernimmt Jacques Tilly, der renommierte Wagenbauer aus Düsseldorf, die Aufgabe, den Kremlchef auf die Schippe zu nehmen.

Die Entscheidung, auf einen Putin-Wagen in Köln zu verzichten, traf Marc Michelske, der künstlerische Leiter des Zugs. Er begründete dies damit, dass das Thema zwar weiterhin relevant sei, Tilly – bekannt für seine provokanten und oft umstrittenen Entwürfe – jedoch besser geeignet sei, sich damit auseinanderzusetzen. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Karnevalsvereins, unterstützte die Wahl und betonte, dass dem Zugleiter die volle kreative Freiheit bei der Themenauswahl zustehe.

Tilly, der mit Gegenwind vertraut ist, sah sich in der Vergangenheit wiederholt Kritik russischer Behörden ausgesetzt. Seine früheren Werke zeigten Putin etwa als Kriegshetzer, insbesondere während der Karnevalssaisons 2022 bis 2024, als in Köln, Mainz, Düsseldorf und der gesamten Rheinregion die russische Regierung auf den Festwagen im Fokus stand. Nun sieht er sich in Russland sogar mit strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert: Ihm wird vorgeworfen, "Falschinformationen" über das Militär verbreitet und Putin in seiner Rolle als Oberbefehlshaber beleidigt zu haben. Trotz der Drohungen gibt sich Tilly unbeeindruckt, räumt jedoch ein, dass ihn neue Reisebeschränkungen treffen.

Der Kölner Zug wird unterdessen andere politische Figuren ins Visier nehmen. Geplant sind Spottwagen über den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump sowie die internen Streitigkeiten innerhalb der deutschen Ampelkoalition.

Die Verschiebung der Putin-Satire nach Düsseldorf unterstreicht die anhaltende Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und internationalen politischen Sensibilitäten in der deutschen Karnevalstradition. Während Tillys Entwürfe in diesem Jahr die Kritik am Kreml übernehmen, konzentriert sich Köln auf andere prominente Ziele – ganz ohne eigenen Russland-Wagen.