08 February 2026, 10:26

Kölner Geisterparade feiert 35 Jahre mit Rekordbeteiligung und Wohnungsprotesten

Eine Gruppe von Menschen, die eine Straße entlanggehen, neben einem Lastwagen mit bunten Luftballons, mit Schildern an Pfosten entlang der Straße und Bäumen und Gebäuden im Hintergrund, was auf eine Pride-Parade in Paris hindeutet.

Kölner Geisterparade feiert 35 Jahre mit Rekordbeteiligung und Wohnungsprotesten

Kölner Geisterparade feiert 35. Jubiläum mit Rekordbeteiligung in Köln

Tausende versammelten sich zur diesjährigen Geisterparade in Köln, die Protest mit karnevalistischen Traditionen verbindet. Unter dem Motto "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Kölner Dom schlofe" (Es ist höchste Zeit für eine andere Wohnungsbaupolitik – wir können nicht alle im Kölner Dom schlafen) stand in diesem Jahr die Wohnungsnot der Stadt Köln im Mittelpunkt.

Angeführt wurde der Umzug von Erich Hermans, verkleidet als Ähzebär und mit einem selbstgebastelten Rummelpot-Instrument. Hermans, Mitbegründer des Vereins Ähzebär un Ko e.V. (1993), zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren der Kölner Geisterparade. Begleitet wurde er von riesigen Fabelwesen, den sogenannten Schnappviechern, darunter ein durchsichtiger Riesenkrake aus Plastikflaschen. Gespenster, Hexen, Totenschädel, Meeresungeheuer und mythische Kreaturen prägten das bunte Treiben.

In den vergangenen fünf Jahren hat die Kölner Geisterparade einen deutlichen Aufschwung erlebt: Die Teilnehmerzahl stieg von etwa 1.400 im Jahr 2021 auf über 4.000 in diesem Jahr. Während die frühen Proteste vor allem gegen Corona-Maßnahmen und Impfungen gerichtet waren, weitete sich das Themenspektrum später aus – von Regierungskritik über Ablehnung der Energiewende bis hin zu Sorgen über Migration und Inflation. Einige Teilnehmer ordneten sich dabei dem rechtsextremen oder Querdenker-Spektrum zu, was für mediale Aufmerksamkeit und Kontroversen sorgte.

Trotz ihrer protestorientierten Wurzeln endete die Kölner Geisterparade in feierlicher Stimmung. Der Umzug fand seinen Abschluss im Kölner Kulturzentrum Odonien, wo Musik und Darbietungen den Abend ausklingen ließen. Viele Kostüme und Plakate griffen die Wohnungsmisere auf und unterstrichen so die politische Botschaft des diesjährigen Mottos.

Die Kölner Geisterparade bleibt eine einzigartige Mischung aus politischem Protest und karnevalistischer Tradition. Zum 35. Jubiläum zogen Tausende durch die Straßen von Köln und machten die Veranstaltung zu einer der sichtbarsten Kundgebungen der Stadt. Ihr wachsender Zuspruch spiegelt sowohl ihre kulturelle Bedeutung als auch die sich wandelnden Anliegen der Teilnehmer wider.