23 April 2026, 14:24

"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman auf der Berliner Bühne zum Leben erwacht

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit deutlicher Schrift und detaillierten Elementen.

"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman auf der Berliner Bühne zum Leben erwacht

Eine mitreißende Bühnenadaption von Kein Körper passt feierte am Dienstag vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne. Das Stück, basierend auf Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman, taucht ein in die Themen Erinnerung, Identität und die Last der Familiengeschichte. In 90 Minuten gipfelt die Inszenierung in einer schonungslosen Auseinandersetzung mit Schweigen und Scham.

Die Handlung folgt Kim, einer genderfluiden Erzählfigur, deren Körper sich binären Zuschreibungen entzieht. Im Kampf gegen vorgegebene Rollen sucht Kim Halt in Sex, Nachtleben und der Dating-App Grindr. Der Weg beginnt, als die Demenz der Großmutter eine Rückkehr in die Kindheit erzwingt – genauer gesagt in einen Schweizer Vorort, wo vergrabene Traumata lauern.

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Unter einer Blutbuche, die der Urgroßvater einst für eine enterbte Tochter pflanzte, spürt Kim seltenen Schutz. Dieser Baum wird zum Ausgangspunkt, um die mütterliche Ahnenlinie zu entwirren und transgenerationale Wunden freizulegen. Der Roman, der 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis gewann, erlebt nun mit drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – seine Bühnenpremiere, die Kims zersplittertes Ich verkörpern.

Die Adaption scheut sich nicht vor der Intensität der Vorlage. Bis zum Finale zerschlägt die Inszenierung das ererbte Schweigen und verwandelt Scham in etwas, das Annäherung an Akzeptanz bedeutet.

Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, Kims Geschichte einem live Publikum näherzubringen. Durch Bewegung, Dialog und die gemeinsame Energie des Ensembles wird die persönliche Abrechnung zu einem kollektiven Erlebnis. Die ausverkauften Vorstellungen beweisen: Die Erzählung berührt – als literarischer Triumph und als eindringliche Erforschung von Identität.

Quelle