Junge Palästinenser:innen und Israelis entdecken überraschende Gemeinsamkeiten in Berlin
Mark BolnbachJunge Palästinenser:innen und Israelis entdecken überraschende Gemeinsamkeiten in Berlin
Eine kürzliche Konferenz in Berlin brachte junge Menschen aus dem Nahen Osten und Europa zusammen, um historische Erzählungen über den Zweiten Weltkrieg zu diskutieren. Das Treffen stellte lang gehegte politische und gesellschaftliche Annahmen infrage und hinterließ bei der Autorin ein vorsichtiges Gefühl der Hoffnung für die Zukunft der Region.
Unter den Teilnehmenden waren Palästinenser:innen und Israelis, von denen viele trotz tief verwurzelter Konflikte überraschende Gemeinsamkeiten entdeckten.
Die Konferenz verlangte von jeder teilnehmenden Person, die zentrale historische Erzählung ihres Landes über den Zweiten Weltkrieg vorzustellen. Die meisten jungen Europäer:innen verorteten ihre nationale Identität in der Opferrolle – auch wenn sich seit den 1990er-Jahren kritischere Perspektiven durchgesetzt haben. Deutschland betont heute die NS-Verbrechen, während Polen und osteuropäische Länder sowohl die NS-Besatzung als auch die sowjetische Unterdrückung thematisieren. Diese Verschiebungen spiegeln größere politische Debatten über Migration, Nationalismus und die europäische Identität wider.
Die israelisch-jüdische Erzählung kreist oft um den Holocaust und die Verfolgung der Jüdinnen und Juden, wobei das Leid anderer Gruppen mitunter in den Hintergrund rückt. Diese Fokussierung, so die Beobachtung der Autorin, kann es erschweren, das palästinensische Leid anzuerkennen. Gleichzeitig erleben viele Palästinenser:innen Israel vor allem durch Soldaten an Checkpoints oder Siedler:innen – friedliche Begegnungen mit der Zivilbevölkerung bleiben die Ausnahme.
Zeynep Karaosman, eine palästinensische Friedensaktivistin, teilte mit israelischen Teilnehmenden überraschende Parallelen – ein Widerspruch zu gängigen Klischees. Die Autorin erlebte, wie junge Menschen aus Ländern mit gewaltbelasteter Geschichte offene, emotionale Gespräche führten. Diese Begegnungen ließen sie fragen, ob Partnerschaft an die Stelle von Feindseligkeit treten könnte.
Die Veranstaltung zeigte auch, wie dominante Opfererzählungen die Momente verdrängen können, in denen eine Nation selbst zum Aggressor wurde. Indem die Teilnehmenden diese blinden Flecken benannten, begannen sie, alternative Zukunftsvisionen für den Nahen Osten zu entwerfen.
Die Berliner Konferenz machte deutlich, wie historische Erzählungen politische und gesellschaftliche Perspektiven prägen – und manchmal auch einengen. Für die Autorin deuteten die ehrlichen Dialoge zwischen einstigen Gegenspielern auf neue Kooperationsmöglichkeiten hin. Die Erfahrung ließ sie darüber nachdenken, ob solche Begegnungen helfen könnten, die Beziehungen in der Region neu zu gestalten.