Junge Menschen warten länger mit dem ersten Sex – warum dieser Trend positiv ist
Mark BolnbachJunge Menschen warten länger mit dem ersten Sex – warum dieser Trend positiv ist
Jugendliche in Deutschland verschieben ihren ersten Geschlechtsverkehr immer öfter ins spätere Teenageralter. Die aktuelle 10. Jugendsexualitätsstudie des Bundesamts für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt, dass immer mehr Heranwachsende bewusstere Entscheidungen treffen und sich mehr Zeit lassen, um den richtigen Moment für Intimität zu finden. Während im Jahr 2019 noch 61 Prozent der Befragten mit 17 Jahren erstmals Sex hatten, lag dieser Anteil 2025 nur noch bei 59 Prozent – viele warten nun bis zum 19. Lebensjahr. Mechthild Paul, stellvertretende Direktorin der BZgA, sieht darin einen Trend, dass junge Menschen sich mehr Zeit lassen, um den richtigen Moment für Intimität zu finden. Die Studie ergab zudem, dass zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen ihr erstes sexuelles Erlebnis, gleich ob hetero- oder homosexuell, als "zum richtigen Zeitpunkt" empfanden. Die meisten Jugendlichen haben ihren ersten Geschlechtsverkehr innerhalb einer festen Beziehung: 65 Prozent der Mädchen und 53 Prozent der Jungen. Trotz verpflichtender Sexualerziehung in Schulen wird das Thema in manchen Familien weiterhin tabuisiert. Dieses Schweigen kann bei jungen Menschen zu "halben oder falschen Kenntnissen" führen, sodass sie auf fragwürdige Quellen wie soziale Medien oder Pornografie zurückgreifen. Fachleute raten Eltern, bereits vor der Pubertät mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen, um Fehlvorstellungen frühzeitig zu korrigieren. Um die Aufklärung zu verbessern, bieten Einrichtungen wie die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) Sexualerziehungsprogramme in Kitas und Grundschulen an. Die Stadt Dortmund ergänzt dies mit eigenen Angeboten für Jugendliche. Die Studie unterstreicht, dass junge Menschen heute bewusster mit ihrer Sexualität umgehen. Schulen, Beratungsstellen und lokale Initiativen bleiben zentrale Anlaufstellen für fundierte Informationen. Fehlen jedoch offene Gespräche im Elternhaus, greifen viele Jugendliche weiterhin auf weniger vertrauenswürdige Quellen zurück.