Jacques Tillys satirische Kunst bringt Moskau gegen ihn auf – und er kontert mit Karneval
Kirsten HentschelJacques Tillys satirische Kunst bringt Moskau gegen ihn auf – und er kontert mit Karneval
Der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly sieht sich in Moskau wegen seiner satirischen Werke, die sich gegen die russische Führung richten, mit einem Strafverfahren konfrontiert. Die Vorwürfe, zu denen auch die Verbreitung falscher Informationen über die russische Armee zählt, könnten eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren nach sich ziehen – auch wenn ein Urteil gegen ihn praktisch nicht vollstreckbar wäre. Tilly, bekannt für seine provokanten Karnevalswagen, arbeitet derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einem neuen Entwurf für den Rosenmontagszug 2026, der am 16. Februar als direkte Reaktion auf die juristischen Schritte Premiere feiern soll.
Tillys rechtliche Probleme haben ihren Ursprung in seiner langjährigen Tradition, Wladimir Putin und die russische Regierung mit seinen Karnevalskreationen zu verspotten. Russische Behörden werfen ihm vor, das Militär verunglimpft und politischen Hass geschürt zu haben. Der Prozess ist für den 24. Dezember 2025 angesetzt, die erste Verhandlung beginnt um 10 Uhr Ortszeit in einem Moskauer Gericht. Tilly selbst wird nicht erscheinen – er behauptet, offiziell nie über das Verfahren informiert worden zu sein.
Der Bildhauer hat sich mit seiner furchtlosen Satire einen Namen gemacht, die sich nicht nur gegen russische Machthaber, sondern auch gegen die katholische Kirche, Politiker von SPD und CDU, islamistische Terroristen und rechtsextreme Gruppen wie die AfD richtet. Oft berufen er sich auf die Tradition des Hofnarren, nutzt Humor, um Machtstrukturen herauszufordern. Trotz der Schwere der Vorwürfe – bis zu 15 Jahre Haft – hätte eine Verurteilung für Tilly keine praktischen Konsequenzen, da er sich außerhalb der russischen Gerichtsbarkeit befindet. Als Reaktion auf die Anklage finalisiert er derzeit einen neuen Wagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug 2026. Das Design bleibt streng geheim, doch er deutete an, dass es sich direkt mit dem Moskauer Prozess auseinandersetzen wird. Der Umzug, ein Höhepunkt der deutschen Karnevalssaison, findet am 16. Februar statt und wird sowohl seine Kunst als auch den anhaltenden Rechtsstreit in den Fokus rücken.
Das Verfahren gegen Tilly wird ohne seine Anwesenheit fortgeführt, während russische Gerichte die Anklage wegen seiner satirischen Werke vorantreiben. Sein neuer Karnevalswagen, der im Februar präsentiert wird, dient als seine öffentliche Erwiderung auf die Vorwürfe. Auch wenn das juristische Ergebnis für ihn keine direkten Folgen hat, unterstreicht der Fall die zunehmenden Spannungen zwischen Meinungsfreiheit und staatlicher Zensur in Russland.