Industrieverband fordert staatliche Wasserstoff-Händler für schnelle Energiewende
Linus JesselIndustrieverband fordert staatliche Wasserstoff-Händler für schnelle Energiewende
Deutschlands Industrieenergieverband legt Plan für beschleunigte Wasserstoff-Nutzung vor
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (VIK) hat ein neues Konzept vorgelegt, um die Einführung von Wasserstoff in der Industrie zu beschleunigen. Der Verband schlägt staatlich gestützte Zwischenhändler vor, die Investitionsrisiken mindern und die Preise stabilisieren sollen. Das Ziel: die stockende Entwicklung des Wasserstoffausbaus in Schlüsselbranchen wiederbeleben.
Kern der VIK-Strategie ist die Schaffung sogenannter "Wasserstoff-Midstreamer" – staatlich unterstützte Händler, die von Institutionen wie der KfW-Bankengruppe und der Bundesnetzagentur verwaltet werden. Diese Zwischenhändler sollen als Puffer fungieren: Sie garantieren den Produzenten planbare Einnahmen, während Verbraucher zu festen Konditionen zuverlässig beliefert werden. Durch die Verringerung finanzieller Unsicherheiten soll das Modell langfristige Investitionen in Produktion und Infrastruktur anziehen.
Aktuell liegen die Kosten für erneuerbaren, elektrolytisch erzeugten Wasserstoff (RFNBO-konform) deutlich über denen von Erdgas – vor allem wegen hoher Strompreise und strenger regulatorischer Vorgaben. Selbst kohlenstoffarme Alternativen bleiben deutlich teurer; Subventionen für eine Million Tonnen Wasserstoff könnten jährlich Milliarden verschlingen. Als Lösung schlägt der VIK ein Contract-for-Difference-Modell (CfD) auf der Nachfrageseite vor, das die Lücke zwischen Produktionskosten und Zahlungsbereitschaft der Käufer schließt.
Der Verband betont, dass staatliche Finanzgarantien mindestens zehn, besser fünfzehn Jahre gelten müssen, um tiefgreifende Industrieumstellungen zu sichern. Gleichzeitig warnt er vor übermäßiger Bürokratie und pocht auf das Ziel eines voll funktionsfähigen Wettbewerbsmarkts. In der frühen Phase fordert der VIK Technologieoffenheit, damit verschiedene klimafreundliche Wasserstoffarten gefördert werden können. Kategorisch lehnt der Verband jedoch verbindliche Quotenregelungen – etwa im Verkehrssektor – ab, da diese die Kosten unumkehrbar in die Höhe treiben und die globale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie schwächen würden.
Das Konzept zielt auf einen Ausgleich zwischen Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Investitionsanreizen. Bei Umsetzung könnten die staatlichen Midstreamer zum zentralen Instrument für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft werden. Der Erfolg hängt dabei von langfristigen Finanzzusagen und dem Abbau regulatorischer Hürden ab.