Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt - Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt
Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren
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Rosa von Praunheim, Pionier der Schwulenbewegung und prägende Figur des queeren Kinos, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Sein Tod ereignete sich nur wenige Tage nach seiner Hochzeit mit seinem langjährigen Partner Oliver Sechting. Über fünf Jahrzehnte hinweg prägten seine Filme, sein Aktivismus und seine mutigen öffentlichen Auftritte die Sichtbarkeit von LGBTQ+-Personen in Deutschland und darüber hinaus.
Geboren 1942, erregte von Praunheim erstmals große Aufmerksamkeit mit seinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ aus dem Jahr 1971. Der provokante Titel allein löste Debatten aus, doch der Film selbst wurde zu einem Grundstein des queeren Kinos – eine schonungslose Abrechnung mit gesellschaftlichen Normen und ein Plädoyer für Akzeptanz. Werke wie „Das Bett“ festigten seinen Ruf als furchtlosen Erzählers, der sich nie vor Tabuthemen scheute.
Sein Engagement beschränkte sich jedoch nicht auf das Kino. 1973 gründete er in Ost-Berlin mit die „Homosexuelle Interessengemeinschaft Berlin“ (HIB), eine der ersten LGBTQ+-Organisationen in der DDR. Im Westen Berlins half er, zentrale Einrichtungen wie das „SchwuZ“ – ein bedeutendes Kulturzentrum – und „Mann-O-Meter“ aufzubauen, eine Beratungs- und Unterstützungsstelle für schwule Männer. Diese Projekte boten sichere Räume, Solidarität und politische Interessenvertretung in einer Zeit, in der queere Gemeinschaften massiver Diskriminierung ausgesetzt waren. Während der AIDS-Krise wurde von Praunheim zu einer lauten Stimme für Safer Sex, nutzte seine Plattform für Aufklärung und Mobilisierung. Er arbeitete eng mit frühen AIDS-Aktivist:innengruppen zusammen, unterstützte ACT-UP-Kampagnen und organisierte Benefizveranstaltungen – Initiativen, die zweifellos Leben retteten. Sein konfrontativer Stil, geprägt von durchdringendem Blick und unerbittlicher Kritik, machte ihn zu einer polarisierenden, aber unbestritten einflussreichen Persönlichkeit.
Auch in späteren Jahren blieb er aktiv. Sein Dokumentarfilm „Rex Gildo: Der letzte Tanz“ (2023) beleuchtete das Leben eines tragischen Pop-Idols, während sein letzter Film „Satanische Sau“ nur Monate vor seinem Tod erschien. Doch einer seiner unvergesslichsten Momente datiert aus dem Jahr 1991, als er den Talkmaster Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling live im Fernsehen outete – ein Schritt, der das Publikum schockierte, aber eine landesweite Debatte über Geheimhaltung und Scham auslöste.
Von Praunheims Vermächtnis umfasst Kino, Aktivismus und Gemeinschaftsarbeit. Seine Filme revolutionierten queeres Storytelling, während seine Initiativen nachhaltige Netzwerke des Zusammenhalts schufen. Zwar ist er nun nicht mehr unter uns, doch die Räume, für die er kämpfte – von Beratungsstellen bis zu Kulturzentren –, dienen LGBTQ+-Menschen in ganz Deutschland bis heute.