Holzingers Sancta polarisiert: Opernskandal zwischen Kunst und Provokation
Kirsten HentschelHolzingers Sancta polarisiert: Opernskandal zwischen Kunst und Provokation
Florentina Holzingers provokante Opernperformance Sancta kehrt an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Inszenierung, die Kritik und Spektakel vereint, hat bereits heftige Reaktionen ausgelöst – bei der Premiere am 1. Oktober kam es zu 18 medizinischen Einsatzfällen im Publikum.
Sancta nimmt Bezug auf Paul Hindemiths umstrittene Oper Sancta Susanna von 1921, die wegen angeblicher Blasphemie verboten wurde. Holzinger deutet die Vorlage neu und gibt darin Frauen eine Stimme, die ihnen in der christlichen Geschichte und Kirche lange verwehrt blieb. Das Stück entstand in einem intensiven Probenprozess, bei dem bis zur Premiere immer wieder neue Elemente eingefügt wurden.
Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Wirken im experimentellen Musiktheater, bezeichnet Sancta als eine kühne neue Form der Bühnenkunst. Zwar räumt sie ein, dass die drastischen Bilder des Abends hart wirken, doch genau diese Radikalität sei essenziell für die Wucht der Aufführung. Intendant Viktor Schoner sieht in der Produktion eine gezielte Provokation – einen Befreiungsschlag von opernhaften Konventionen, der gleichzeitig künstlerische Maßstäbe hochhält.
Trotz deutlicher Trigger-Warnung führte die Premiere zu mehreren medizinischen Zwischenfällen im Publikum. Die Mischung aus Unterhaltung, Gesellschaftskritik und der Debatte über Geschlechterungerechtigkeit macht Sancta zu einem der meistdiskutierten Ereignisse der Saison.
Die Vorstellung ist am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November in der Staatsoper Stuttgart zu sehen. Die Produktion stellt ihr Publikum weiterhin vor Herausforderungen – mit Schockmomenten und spektakulären Bildern konfrontiert sie historische und soziale Ungerechtigkeiten. Karten sind für diejenigen erhältlich, die bereit sind für diesen kompromisslosen Zugang.






