Hildegard Knef: Wie eine Rebellin die deutsche Kultur nach 1945 prägte

Hildegard Knef: Wie eine Rebellin die deutsche Kultur nach 1945 prägte
Hildegard Knef, 1925 in Ulm geboren, wurde zu einer der prägendsten Künstlerinnen Deutschlands. Mit ihrem erdverbundenen Charme und ihrem ungebärdigen Geist brach sie in Film, Musik und Literatur immer wieder mit Konventionen. Ihre Karriere reichte von NS-Propagandafilmen bis zur Neuorientierung in der Nachkriegszeit – und hinterließ tiefgreifende Spuren in der deutschen Kultur.
Knefs frühe Jahre waren vom Dritten Reich geprägt: Sie wirkte in UFA-Propagandaproduktionen mit, und ihre Verbindung zu Ewald von Demandowsky, dem Filmdramaturgen des Regimes, stand später in scharfem Kontrast zu ihrer Wandlung nach 1945. Nach dem Krieg wurde sie zur Symbolfigur eines neuen, vom Faschismus befreiten Deutschlands.
1946 spielte sie in Die Mörder sind unter uns – dem ersten deutschen Nachkriegsspielfilm – eine Hauptrolle. Fünf Jahre später löste ihr Auftritt in Die Sünderin mit der schonungslosen Darstellung von Prostitution und Suizid einen Skandal aus. Doch gerade dieser Eklat festigte ihren Ruf als furchtlose Künstlerin. In den 1960er-Jahren wandte sie sich der Musik zu und veröffentlichte 1963 ihr Debütalbum So oder so ist das Leben. Lieder wie Guten Tag, mein Zuhause oder Im 80. Stockwerk verbanden Chanson, Jazz und Schlager und spiegelten mit selbstgeschriebenen Texten den Alltagskampf der Menschen wider. Knef gab damit den "kleinen Leuten" eine Stimme und wurde so zur Inspirationsquelle der zweiten Frauenbewegung.
In den 1970er-Jahren erweiterte sie ihr Schaffen um die Literatur. Ihre 1970 erschienene Autobiografie Der geschenkte Gaul schildert schonungslos ihre Lebenskämpfe, darunter auch ihren öffentlichen Kampf gegen Brustkrebs, den sie später in Das Urteil detailliert beschrieb. Selbst in ihren späten Jahren blieb sie aktiv – unterstützt von ihrem langjährigen Vertrauten und Maskenbildner René Koch, der sie in den 1980er-Jahren bei Comeback-Versuchen begleitete. Ihr letzter Auftritt fand 1995 statt und markierte das Ende ihrer Bühnenkarriere.
Knefs Vermächtnis lebt weiter in ihren Filmen, ihrer Musik und ihren Schriften. Mit ihrer kompromisslosen Haltung und künstlerischen Eigenständigkeit herausforderte sie gesellschaftliche Normen. Ihr Werk bleibt bis heute ein Spiegel der Kämpfe und der Widerstandskraft des Nachkriegsdeutschlands.

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