Häusliche Gewalt gegen Frauen steigt 2024 um 3,5 Prozent – doch Hilfe bleibt unsicher
Mark BolnbachBundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Häusliche Gewalt gegen Frauen steigt 2024 um 3,5 Prozent – doch Hilfe bleibt unsicher
Häusliche Gewalt gegen Frauen in Deutschland stieg 2024 um 3,5 Prozent an
Im Jahr 2024 registrierten die Behörden 187.128 Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen – ein Anstieg um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben der Ermittler könnte die Zunahme darauf zurückzuführen sein, dass mehr Betroffene die Straftaten anzeigen, und nicht unbedingt auf eine höhere Anzahl von Vorfällen. Als Reaktion darauf haben Unterstützungszentren an großen Bahnhöfen spezialisierte Hilfe für Frauen eingerichtet.
Die erste Anlaufstelle eröffnete am 15. August 2024 am Berliner Ostbahnhof, eine weitere folgte am 29. September 2025 am Kölner Hauptbahnhof. Beide Einrichtungen werden ausschließlich von Polizistinnen betreut, die speziell für die Betreuung von Frauen ausgebildet sind. Seit ihrer Eröffnung haben sie über 200 Fälle bearbeitet, darunter die Vermittlung medizinischer Hilfe, die Unterbringung in Frauenhäusern und die dringende Entfernung von Tätern aus dem gemeinsamen Haushalt.
Betroffene, die sich an diese Zentren wenden, können dort medizinisch versorgt oder forensisch untersucht werden, um Verletzungen oder sexuelle Übergriffe zu dokumentieren. Das Pilotprojekt steht jedoch vor einer ungewissen Zukunft: Die Finanzierung ist nur bis September 2027 gesichert, und eine Verlängerung wurde noch nicht beschlossen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Notwendigkeit stärkerer politischer Maßnahmen gegen häusliche Gewalt anerkannt. Dennoch wurden bis Februar 2026 keine weiteren Bahnhöfe für mögliche Unterstützungszentren benannt. Eine Ausweitung des Programms wird weiterhin geprüft.
Die beiden Pilotstandorte arbeiten zwar weiter, doch ihre Zukunft nach 2027 bleibt unklar. Angesichts der steigenden Fallzahlen besteht weiterhin ein großer Bedarf an spezialisierter Hilfe. Ob das Programm ausgeweitet wird, hängt von politischen Entscheidungen und der Bereitstellung zusätzlicher Mittel ab.