Grüner Wasserstoff aus Jülich: Riesige Anlage kämpft mit leeren Kapazitäten und hohen Kosten
Laila SchomberGrüner Wasserstoff aus Jülich: Riesige Anlage kämpft mit leeren Kapazitäten und hohen Kosten
Im nordrhein-westfälischen Jülich entsteht im Brainergy Park Düren eine neue Elektrolyseanlage mit einer Leistung von 10 Megawatt. Das 35-Millionen-Euro-Projekt, das mit 14,7 Millionen Euro vom Bund gefördert wird, soll grünen Wasserstoff für die regionale Industrie und den Verkehr produzieren. Drei große regionale Abnehmer haben bereits langfristige Lieferverträge für den Wasserstoff abgeschlossen.
Die Anlage wird bis zu 180 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde erzeugen können – das entspricht etwa 1.577 Tonnen im Jahr. Doch die aktuelle Nachfrage ist gering: Die 20 Wasserstoffbusse in Düren verbrauchen jährlich nur 72 Tonnen, sodass die Anlage derzeit lediglich im einstelligen Prozentbereich ausgelastet ist.
Der Betrieb bei so niedriger Auslastung treibt die Kosten in die Höhe. Unter Einberechnung von Strom und Wartung liegen die Wasserstoffpreise zwischen 105 und 140 Euro pro Kilogramm, wenn nur die Busse beliefert werden. Die jährlichen Kapitalkosten belaufen sich allein auf 4,97 Millionen Euro, was die Kosten um weitere 69 Euro pro Kilogramm erhöht.
Ein Vergleich der Emissionen zeigt weitere Herausforderungen: Ein Dieselbus stößt jährlich etwa 79,5 Tonnen CO₂ aus, ein batteriebetriebener E-Bus etwa 34,2 Tonnen. Wird grüner Wasserstoff aus Erdgas hergestellt, fallen pro Bus immer noch 43,9 Tonnen CO₂ pro Jahr an. Bei der Produktion mit dem deutschen Strommix steigen die Emissionen sogar auf 81 bis 86 Tonnen pro Bus und Jahr.
Gleichzeitig setzen immer mehr Verkehrsbetriebe in der Region auf batteriebetriebene E-Busse. Diese Entwicklung verringert die potenzielle Nachfrage nach wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Auch der Bundesrechnungshof hat eine Überprüfung der deutschen Wasserstoffstrategie angemahnt und deren wirtschaftliche Tragfähigkeit infrage gestellt.
Die hohe Produktionskapazität der Jülicher Anlage steht in krassem Gegensatz zur aktuellen Nachfrage. Bei einer Auslastung von nur fünf bis sieben Prozent durch die Busflotte bleiben die Wasserstoffkosten strukturell hoch. Der Erfolg des Projekts hängt langfristig davon ab, weitere industrielle Abnehmer zu gewinnen und die Kosteneffizienz zu steigern.






