03 February 2026, 02:13

Grüne Reformpläne spalten die Partei: Effizienz gegen Basisdemokratie

Eine felsige Hügellandschaft mit einer markanten Felsformation in der Mitte, umgeben von Gras und kleinen Pflanzen.

Grüne Reformpläne spalten die Partei: Effizienz gegen Basisdemokratie

Bündnis 90/Die Grünen stehen vor einer umfassenden Reform ihrer internen Strukturen, um Führung und Mitgliederbeteiligung zu modernisieren. Die Pläne kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die grüne Partei mit sinkenden Mitgliederzahlen kämpft: Von einem Höchststand von 140.000 im Jahr 2021 ist die Zahl bis Anfang 2026 auf etwa 130.000 gefallen. Zu den Vorschlägen der Parteiführung gehört unter anderem eine Anhebung der Hürden für die Einreichung von Anträgen – ein Schritt, den Kritiker als Schwächung der Basisdemokratie befürchten.

Das aktuelle System erlaubt es, Anträge offen einzureichen, was in der Vergangenheit zu einer Flut von Vorlagen geführt hat. Vor der letzten Sonderkonferenz wurden fast 1.900 Änderungsanträge eingereicht, was für Verwirrung und Verzögerungen sorgte. Als Lösung schlagen die Verantwortlichen ein Modell vor, wie es bereits in Nordrhein-Westfalen praktiziert wird: Dort benötigen Anträge die Unterstützung von einem Tausendstel der Mitglieder.

Zu den Reformen gehört zudem die Einführung von Mitgliederversammlungen nach dem Vorbild von Bürgerräten. Eine weitere zentrale Änderung könnte die Aufwertung der Position des politischen Geschäftsführers zum Generalsekretär vorsehen, während die Befugnisse des Parteirats ausgeweitet werden könnten. Diese Anpassungen zielen zwar auf effizientere Entscheidungsprozesse ab, stoßen jedoch auf Widerstand – etwa von der Unabhängigen Grünen Linken, die in der Vergangenheit bereits Einfluss auf Formulierungen in der Parteipolitik nahm, etwa beim Lieferkettengesetz oder bei Klimageldern.

Nicht alle Mitglieder stehen hinter den Plänen. Der langjährige Grüne Thomas Griesehop droht gar mit Austritt, falls die Basisdemokratie ausgehöhlt werde. Die Parteigeschichte kennt jedoch auch Beispiele für gelungene Kompromisse: 2002 stimmte eine einfache Mehrheit in einem Referendum für eine Lockerung der Trennung von Parteiämtern und parlamentarischen Funktionen – trotz anfänglicher Vorbehalte. Die endgültige Beratung über die neue Satzung soll noch in dieser Woche abgeschlossen werden.

Die Reformvorhaben der Grünen zielen auf mehr Effizienz, bergen aber die Gefahr, Mitglieder zu verprellen, die direkten Einfluss schätzen. Angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen seit 2021 könnte das Ergebnis dieser Veränderungen die künftige Struktur der sozialdemokratischen Partei Deutschlands prägen. Die Führung steht nun vor der Herausforderung, Modernisierung und Bewahrung der basisdemokratischen Traditionen in Einklang zu bringen – ein Markenzeichen der Partei seit ihrer Gründung.