Gerettete Dörfer verkaufen erstmals Häuser nach jahrzehntelangem Abrisskampf
Mark BolnbachGerettete Dörfer verkaufen erstmals Häuser nach jahrzehntelangem Abrisskampf
Offizieller Start: Häuser in fünf einst zur Abriss geplanten Dörfern werden verkauft
In fünf Ortschaften, die einst dem Abriss geweiht waren, haben die Verkäufe von Wohnimmobilien nun offiziell begonnen. Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath – allesamt Teil des ehemaligen Tagebaugebiets Garzweiler II – stehen nun Interessenten zum Kauf offen. Der Schritt markiert einen Wendepunkt für Gemeinden, die lange um ihr Überleben kämpften.
Die Dörfer wurden 2022 vor der Zerstörung bewahrt, nachdem sich Anwohner, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Erkelenz auf eine Vereinbarung geeinigt hatten. Seither treibt der von lokalen Bürgern gegründete Verein Dörfergemeinschaft KulturEnergie e.V. die Neuausrichtung der Zukunft voran. Sowohl die Landesregierung als auch der Stadtrat von Erkelenz haben Unterstützung für Infrastrukturprojekte und kulturelle Vorhaben zugesagt.
Aktuell sind 25 Immobilien auf dem freien Markt gelistet, rund 500 weitere sollen im Laufe des nächsten Jahres folgen. Bisher wurde lediglich ein Haus an seinen ursprünglichen Besitzer zurückverkauft, während zehn weitere noch in Verhandlung sind. Die hohen Preise erschweren es jedoch vielen ehemaligen Bewohnern, in ihre Heimat zurückzukehren. Prägende Bauwerke wie Kirchen und eine historische Kapelle bleiben erhalten und sollen künftig für kulturelle und künstlerische Zwecke genutzt werden. Fast 15 Millionen Euro wurden für die Modernisierung der Infrastruktur bereitgestellt, um Straßen, Versorgungsnetze und öffentliche Plätze den heutigen Anforderungen anzupassen.
Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat des Landes Nordrhein-Westfalen, bezeichnete den Verkaufsstart als Meilenstein für die Wiederbelebung der Dörfer. Erkelenz’ Bürgermeister Stephan Muckel betonte, dass der Prozess im Einklang mit den langfristigen Entwicklungsplänen der Gemeinden stehe.
Der Verkauf der Häuser eröffnet ein neues Kapitel für die fünf Ortschaften. Mit gesicherten Fördermitteln und bewahrten Kulturstätten rückt nun der Wiederaufbau der Gemeinschaften in den Fokus. Doch die Herausforderung der Bezahlbarkeit bleibt für all jene bestehen, die in ihre alten Häuser zurückkehren möchten.