Gelsenkirchen kämpft mit einer Million Tonnen illegalem Müll am Rhein-Herne-Kanal
Mark BolnbachGelsenkirchen kämpft mit einer Million Tonnen illegalem Müll am Rhein-Herne-Kanal
Illegale Mülldeponie in Gelsenkirchen: Stadt steht vor Abfallkrise
In Gelsenkirchen hat eine riesige illegale Mülldeponie die Stadt in eine Abfallkrise gestürzt. Rund eine Million Tonnen Abfall lagern inzwischen in der Nähe des Rhein-Herne-Kanals – damit handelt es sich um eine der größten wilden Müllkippen Deutschlands. Das verlassene Gelände, das einst von Firmen der insolventen Becker-Gruppe betrieben wurde, füllte sich in den vergangenen acht Jahren mit Abfällen aus dem gesamten Ruhrgebiet.
Der Müllberg wuchs weiter an, obwohl die Entsorgungsanlagen noch in Betrieb waren. Trotz offensichtlicher Verstöße griffen die Umweltbehörden erst ein, als der Schaden bereits entstanden war. Recherchen von CORRECTIV zeigen, dass 21 Städte und Gemeinden aus dem Ruhrgebiet – direkt oder indirekt – Abfälle zur Grimberg-Deponie in Gelsenkirchen brachten.
Das Problem beschränkt sich nicht auf lokale Grenzen. Zwar stammt ein großer Teil des Mülls aus Gelsenkirchen selbst, doch auch Nachbarstädte trugen dazu bei. Nun weigern sich viele dieser Kommunen, die Verantwortung für ihren Abfall zu übernehmen. Der Entsorgungsbetrieb der Stadt Herne etwa soll für rund 11.000 Tonnen des illegal gelagerten Materials haften – lehnt eine Haftung jedoch ab.
Das Umweltamt Gelsenkirchen setzt nun das Kreislaufwirtschaftsgesetz ein, um die Verursacher in die Pflicht zu nehmen. Das Gesetz verlangt, dass Abfallbesitzer ihren Müll bis zur ordnungsgemäßen Entsorgung verwalten müssen. Da das Gelände jedoch verlassen ist und die beteiligten Firmen pleite sind, lastet die finanzielle Belastung schwer auf der Stadt.
Die Kosten für die Beseitigung werden auf einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag" geschätzt. Der kommunale Entsorgungsdienst Gelsendienste hat bereits knapp 9,5 Millionen Euro für einen Teil der Rechnung zurückgelegt. Das kontaminierte Gelände gehört der RAG, dem ehemaligen Steinkohlekonzern, was den Konflikt zusätzlich verkompliziert.
Die illegale Deponie wird Gelsenkirchen Zehntausende Euro kosten, um sie zu räumen. Da sich andere Städte weigern, ihren Anteil zu zahlen, und die ursprünglichen Betreiber insolvent sind, wird die finanzielle Belastung für die lokalen Steuerzahler weiter steigen. Der Fall wirft zudem Fragen nach Lücken in der deutschen Abfallüberwachung auf – die Behörden konnten die Krise nicht verhindern, bevor sie eskalierte.