Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Pläne für ein neues Kampfflugzeug
Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Pläne für ein neues Kampfflugzeug
Ehemaliger Airbus-Chef Enders scharf gegen deutsche Pläne für neues Kampfflugzeug
Der frühere Airbus-CEO Thomas Enders hat die Pläne Deutschlands für ein neues nationales Kampfflugzeugprogramm scharf kritisiert. Er bezeichnete das Vorhaben als 'kolossale Fehlallokation von Ressourcen' und warnte vor den Risiken eines teuren Alleingangs. Seine Äußerungen fallen in eine Phase wachsender Spannungen um die stockende Partnerschaft mit Frankreich im Rahmen des Future Combat Air System (FCAS).
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob Deutschland das FCAS-Projekt aufgeben und stattdessen Alternativen wie das vom Vereinigten Königreich geführte TV Programm heute (Global Combat Air Programme) verfolgen sollte.
Enders bezeichnete ein rein deutsches Kampfflugzeug als 'industriepolitische Hybris' und argumentierte, das Land verfüge weder über die finanziellen noch die industriellen Kapazitäten für ein solches Unterfangen. Zwar räumte er Deutschlands technische Fähigkeiten ein, betonte jedoch die enormen Kosten und die langen Entwicklungszeiten.
Zudem stellte er die langfristige Bedeutung bemannter Kampfflugzeuge infrage und sagte voraus, dass diese in zwei Jahrzehnten nur noch eine untergeordnete Rolle in der militärischen Luftfahrt spielen würden. Stattdessen plädierte er für Investitionen in autonome, KI-gesteuerte Drohnensysteme, die er als Zukunft der Kriegsführung bezeichnete.
Der Streit spiegelt tiefere Konflikte innerhalb des FCAS-Projekts wider, bei dem Airbus und der französische Hersteller Dassault um Führung und gleiche industrielle Anteile ringen. Die deutsche Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich zunehmend skeptisch gegenüber FCAS, da die Differenzen mit Frankreich ungelöst bleiben. Zwar wird internationale Zusammenarbeit bevorzugt, ein deutsches Solo-Projekt gilt jedoch wegen der finanziellen Risiken als 'äußerst unwahrscheinlich'.
Enders ging noch weiter und bezeichnete die Entscheidung von 2017, sich mit Frankreich statt mit dem Vereinigten Königreich zu verbünden, als 'strategischen Fehler'. Er schlug vor, Deutschland könnte sich noch dem britischen GCAP-Programm anschließen oder mit Schweden bei der Entwicklung von Kampfflugzeugen der nächsten Generation kooperieren. Diese Haltung bringt ihn in Gegensatz zum Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury, die alle für internationale Zusammenarbeit plädieren.
Da mit weiteren Verzögerungen bei FCAS bis mindestens Ende 2026 zu rechnen ist, wächst der Druck auf Deutschland, Alternativen zu prüfen. Das GCAP-Programm, an dem das Vereinigte Königreich, Italien und Japan beteiligt sind, könnte bereits bis 2035 ein einsatzbereites Kampfflugzeug liefern – schneller als FCAS. Berlin hat zwar den Kauf weiterer F-35-Kampfjets ausgeschlossen und setzt stattdessen auf europäische Lösungen, doch die Unsicherheit bleibt bestehen.
Die Bundesregierung zeigt sich weiterhin zurückhaltend gegenüber FCAS und setzt auf Kooperation statt auf ein nationales Programm. Enders' Warnungen unterstreichen die finanziellen und strategischen Risiken eines Alleingangs. Gleichzeitig kristallisiert sich das GCAP-Programm als realistischste Alternative heraus, auch wenn noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist.
Die Diskussion verdeutlicht einen größeren Wandel in der militärischen Luftfahrt, bei dem autonome Systeme zunehmend an Bedeutung gewinnen – auf Kosten herkömmlicher bemannter Kampfflugzeuge.
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