14 March 2026, 12:12

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Wie das Straßenmagazin Obdachlosen hilft – und selbst in Not ist

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Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Wie das Straßenmagazin Obdachlosen hilft – und selbst in Not ist

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für obdachlose Verkäufer:innen – kämpft mit drastischen Auflagenrückgängen

Noch vor einigen Jahren verkaufte sich das Straßenmagazin bis zu 40.000 Mal – doch bis Januar 2023 brach die Auflage auf unter 12.000 Exemplare ein. Der Rückgang spiegelt nicht nur die generellen Schwierigkeiten des Printjournalismus wider, sondern auch die wachsenden Herausforderungen für die Menschen, die die Zeitschrift auf der Straße anbieten.

Fiftyfifty bietet Obdachlosen seit Langem nicht nur ein Einkommen, sondern auch Würde und eine Stimme. Die Verkäufer:innen erhalten die Hälfte des Verkaufspreises – egal, ob sie die gedruckte Ausgabe oder die digitale Variante verkaufen, die wie eine Loskarte funktioniert. Darüber hinaus finanziert das Magazin mit seinen Einnahmen soziale Projekte: von Wohnungsinitiativen über medizinische Versorgung für Streunerhunde bis hin zu Streetwork-Programmen.

Der Auflagenrückgang ist kein Einzelfall, sondern Teil eines bundesweiten Trends. Zwischen 2015 und 2020 verloren mindestens zwölf große Straßenmagazine – darunter "Strassenfeger" in Berlin und "Unterwegs" in Hamburg – 40 bis 70 Prozent ihrer Auflage. Viele setzen inzwischen auf hybride Lösungen: digitale Abos, Kooperationen mit Lieferdiensten wie Lieferando oder EU-geförderte Druckkostenzuschüsse.

Zusätzlich verschärft eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen – besonders gegenüber denen mit Migrationshintergrund – die Lage. Um die steigenden Kosten zu decken, erhöhte das Magazin den Preis auf 3,40 Euro. Doch ohne stabile Verkäufe stehen nicht nur die unterstützten Projekte auf dem Spiel, sondern auch die wichtige Rolle von fiftyfifty als Plattform, die das Thema Obdachlosigkeit in der Öffentlichkeit präsent hält.

Die Zukunft des Magazins hängt davon ab, ob es sich anpassen und neue Finanzquellen erschließen kann. Sollten die Verkäufe weiter einbrechen, könnten essenzielle Hilfsangebote für obdachlose Menschen wegfallen. Noch aber bleibt fiftyfifty ein seltener Ort der Fürsprache, des Austauschs und der finanziellen Eigenständigkeit.

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